Angst und Kälte

Angst und Kälte

Angst und Kälte

und was du effektiv dagegen tun kannst

 

Gefühlt jeder, der in München wohnt, fährt Ski. Ich nicht. Ich bin Ski-Analphabet. „Die Berge sind zu weit weg“, hab ich vorgeschoben, und die Holländer, die sich alljährlich mit Sommerreifen über 1000 Kilometer ins weiße Vergnügen aufmachten, ignoriert. „Zu teuer“ ist es auch. „Keine Zeit“ war ebenfalls ein bauchbarer Grund. Ich habe es geschafft, mich schon während der Schulzeit erfolgreich zu drücken, bis ich vor drei Jahren mit Langlauf begonnen habe.

Als Fußprobleme verteilt wurden, habe ich mich zwei Mal angestellt.

Wenn es mich friert, werden meine Finger und Zehen blass. Ach, was sag ich, sie werden taub, wachsweiß und blutlos. Wenn es ganz schlimm ist, kann ich nicht mal mehr den Schlüssel in meiner Manteltasche fühlen, geschweige denn Skistöcke halten.

Meine Welt war im Winter also ziemlich klein. Immer wenn meine Freunde in die Berge fuhren, habe ich das Wochenende mit einem Buch verbracht. Heute will ich dir ein Geheimnis verraten, warum es mir jetzt beim Langlaufen – von den Zehen- bis zu den Fingerspitzen – mollig warm ist. 🙂

Nur so viel vorab: Nichts hat bisher geholfen, weder diverse Taschenwärmer, die mir von gutmeinenden Mitmenschen empfohlen wurden, noch Bewegung – die bringt nämlich nicht viel, ebenso wenig wie dicke Daunenkleidung.

Aber schauen wir uns erst mal an, worum es sich eigentlich handelt. Und was du, auch wenn du hoffentlich nicht davon betroffen bist, für dich mitnehmen kannst.

Raynaud-Syndrom

Erst vor gut zehn Jahren habe ich erfahren, dass das, was mich da seit meiner Kindheit quält, Raynaud-Syndrom genannt wird. Dabei treten attackenartige Durchblutungsstörungen an Fingern und Zehen auf. Betroffen sind hauptsächlich Frauen mit niedrigem Blutdruck.

Im Winter ist es natürlich schlimmer aber auch an einem verregneten Sommerabend muss ich meine Hände verstecken, weil die Finger so spooky aussehen und ich Angst vor den Reaktionen anderer habe.

Oft genügt schon ein kleiner Temperaturabfall und die Arterien in den Fingern ziehen sich abrupt zusammen und das Blut entweicht. Wenn der Gefäßkrampf nach manchmal einer halben Stunde wieder nachlässt, strömt das Blut zurück und das macht die ganze Sache nicht wirklich angenehmer, denn das kribbelt ganz scheußlich und tut einfach nur weh.

Tipps
  • Wichtig ist natürlich, dass Hände und Füße mit flauschigen Handschuhen und Socken geschützt sind und das Material nicht zu eng anliegt.
  • Achtung: Auch wenn die Versuchung groß ist, Hände und Füße bitte nicht mit heißem Wasser aufwärmen. Das kann zu Verbrühungen führen, da du die Temperatur nicht spürst. Mir hilft es, kaltes Wasser darüber laufen zu lassen, das ich langsam erwärme.
  • Nasensprays- und -Tropfen wirken gefäßverengend, ebenso Rauchen.
  • Genug (heißes) Wasser oder Tee trinken, das erhöht die Fließfähigkeit des Blutes
  • Suppen und Eintöpfe wärmen von innen
  • Lies auch Kalte Füße – Schwache Blase

Gute Nachricht:

Vor drei Jahren habe ich also Skilanglaufen für mich entdeckt. Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass Wintersport für mich früher nicht möglich war. Anstehen am Skilift??! Unmöglich, ich hätte meine Skistöcke gar nicht mehr halten können.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit tibetischen Energieübungen. Eine davon ist: den Kessel anheizen

Den Kessel anheizen

Dazu stell dir einen schönen, alten Kessel inmitten deines Bauchraums unterhalb des Nabels vor. Nun heizt du den Kessel durch intensive Bauchatmung ein, bis er fast anfängt zu glühen. Über deine Atmung verströmst du nun diese intensive Wärme dorthin, wo sie gebraucht wird.

Und die Angst?

Nun war mir also mollig warm. Teilweise fuhr ich sogar ohne Handschuhe. Jetzt tat sich aber ein ganz anderes Problem auf: Langlaufloipen sind nicht „brettleben“, wie wir in Bayern das Flachland nennen. Da gibt es gemeine Hügel, die rauf für mich kein Hindernis waren… aber runter? Ich war der Schisser vor dem Herrn. Hatte schließlich keine Erfahrung auf Skiern. Die Vorstellung während der Abfahrt einen Ski aus der Spur zu heben und einseitig im Pflug zu fahren war ein gut gemeinter Rat aber in meinem Kopf waren dafür keine Synapsen angelegt.

Mein Körper reagiert mit Verkrampfung und Stress, wenn ich einen Hügel sehe.

Also schnallte ich die Skier ab und ging zu Fuß runter. Bis es mir zu blöd wurde. 😉

Wie ich auf den Bären gekommen bin

Tatsachen verursachen keine Angst. Es sind die inneren Bilder, die in uns Panik hervorrufen. Und so habe ich ein Gegenprogramm gestartet und mir eigene, dienliche Bilder gesucht.

Wie aus dem Nichts tauchte in meiner Vorstellung das Bild einer verspielten Bärin auf. Ich sah sie, wie sie neben mir den Tiefschnee mit der Schnauze durchpflügte. Ich bewunderte ihren warmen und schützenden Pelz, ihre Tatzen, mit denen sie sich in den Schnee einspreizen konnte. Wie sie bäuchlings und mit lustvollen Lauten den Abhang hinunterrutschte – und ich ihr hinterher. Unten angekommen, zwar mit zitternden Knien, war ich wie verwandelt.

Belohnt wurde ich mit anerkennendem Schulterklopfen, einem Becher dampfend heißem Ingwertee und als ich so ganz erfüllt und glücklich war, kletterte mein Krafttier die nächste Fichte hinauf und ließ Schnee auf mich hinunter segeln 🙂

Fazit:

Es gibt jede Menge Gründe, dir zu versagen etwas Neues auszuprobieren. Aber wenn du deine Zufriedenheit mehren willst, musst du keineswegs alles hinnehmen oder gar resignieren. Innere Bilder, Krafttiere, Affirmationen sind Ressourcen, die uns allen zur Verfügung stehen.

Welche nutzt du?

Liebe Grüße

Birgit

Schreib einen Kommentar: Was hilft dir, deine Grenzen zu dehnen?

11 thoughts on “Angst und Kälte

  1. Liebe Birgit, habe Deinen Artikel mit Freude gelesen. Diese beiden Techniken kann man wirklich für vieles benutzen. Ich bin seit 9 Monaten im Wim Hof Programm und konnte erst durch die Hilfe der Übung des inneren Feuerofens 10 Minuten bei 6° kalte Dusche genießen (ja wirklich!) . Und bei meinen Shandora-Frauen verwandeln wir uns u. a. in wilde Tiere, um unsere eigene wilde Energie zu spüren. Das macht immer viel Spaß und funktioniert. Grüsse an Deinen Bär.

    • Birgit

      Liebe Gudrun,
      also Duschen bei 6° kann ich oder will ich mir gar nicht vorstellen 🙂 Aber du hast recht, innere Bilder sind sehr wirksam und können in viele Situationen hilfreich sein.
      Alles Liebe
      Birgit

  2. Heidi

    Das Foto zu diesem Beitrag erinnert mich daran, dass ich heute früh im Bus meinen Blick nicht lassen konnte von einem kleinen Mädchen und seinem großen Löwen. Sie hatte ihn auf ihrem Schoß, hielt ihn locker mit dem rechten Arm umschlungen. Ich musste so grinsen, weil ich diesen senfgelben Löwen so entzückend fand, mit seinem Rücken, den eine Mittel-Naht bis oben hin zierte, mit seinem schmalen Hinterkopf und der braunen, hochstehenden, fast punkigen Mähne. Der Löwe war zum Fenster hin gerichtet; zu gern hätte ich jetzt noch die Augen und die Schnauze gesehen.

    Ja, manchmal reicht der Papa eben als neben einem sitzendes, begleitendes Krafttier nicht aus (obwohl der junge Vater mir auch gefiel, weil er ruhig und gelassen war, und, nein, er strich nicht auf seinem Handy herum).

    Mir schien’s auch so, als hätte das Löwenplüschtier mal dem Vater gehört. …

    —-

    Wenn das Rehhafte in mir zu groß wird, rekurriere ich schon auch gern auf Raubkatzenbilder, aber Kraft bzw. Ruhe gibt mir auch das Bild einer weiten weiten, hügeligen grünen Wiese oder ein Bach im Walde….

    • Birgit

      Liebe Heidi,
      das ist ein schönes Bild. Danke dass du dein Erlebnis mit uns teilst. Unser Unterbewusstsein reagiert auf Bilder und Symbole unmittelbarer als auf Worte. Auch Farben, Gerüche oder Klänge werden häufig unterschätzt.

      Alles Liebe
      Birgit

  3. Liebe Birgit,
    viele Frauen kämpfen machtlos mit dem Morbus Raynaud.

    Um so wunderbarer, dass du einen Weg gefunden hast, dich ihm in den Weg zu stellen.
    Das macht anderen Mut. Und Mut tut gut. 😉
    Und du hast aus dem Bauch heraus genau das richtige gewählt: Weite, Offenheit, Entspannung.
    Denn das ist es, was du mit deinem „Kessel einheizen“ tust. Du machst es dir IM Kopf warm und dein Körper reagiert.

    Auch „meine“ Raynaud Patienten nutzen etwas ähnliches in der Selbsthypnose.
    Und es HILFT. Da freue ich mich dann besonders.

    Grüße an die Füße und deine Bärin

    Sabine

    • Birgit

      Liebe Sabine,
      als Selbsthypnose habe ich das noch gar nicht gesehen aber du hast recht.
      Übrigens war meine Bärin letztes Wochenende wieder dabei und ich war noch mutiger 🙂
      alles Liebe
      Birgit

  4. Gisi W

    Liebe Birgit,
    Mein Motto lautet: Ich geh in meine Angst rein…will ergründen was und warum es mir Angst macht. Oft zählt schon die Absicht „reinzugehen“ denn meistens löst sich dadurch die Angst auf, wie der Nebel im Morgengrauen..
    Mut ist der Anfang,
    Glück die Belohnung
    LG Gisi
    ps und wie oft bin ich beim Langlaufen die Loipen runtergerauscht mit Heiden-Angst aber angekommen mit strahlendem Lachen

    • Birgit

      Liebe Gisi,
      da sprichst du etwas ganz Wesentliches an: Die Angst ist eine Angsthase! Sie verzieht sich, so schnell kannst du gar nicht schauen, wenn du sie ergründen willst. Gut zureden hilft, denn das sind nicht gesehene Aspekte von uns, die uns eigentlich schützen wollen. Es gilt, klar zu machen, dass wir sehr gut selbst auf uns aufpassen können. Damit sie nicht eingeschnappt sind, können wir ihnen eine neue Aufgabe geben. Z.B. „Zeig mir einen Weg, wie sicher ankomme…“
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Alles Liebe und bis bald auf der Tango-Piste
      Birgit

  5. Liebe Birgit,

    ich finde es echt mutig, wie du deine „Schwächen“ in die Welt hinausschreist. Hut ab.
    Kälte und Angst, das habe ich auch schon begriffen, hängen stark zusammen. Vieles löst sich auf, wenn wir uns dieser hemmenden Angst stellen. Jeden Tag neu. Vielen Dank für den Beitrag.

    Liebe Grüße aus Regensburg Andrea

    • Birgit

      Liebe Andrea,
      danke! Es kostet mich Mut – Ja. Und es bringt mich weiter. Der Titel „Draufgängerin“ wollte zu mir und macht etwas mit mir und ich lasse mich führen – wie im Tango. Und ich gehe voran, um zu zeigen, dass sich Mut lohnt und nicht weh tu. Was wirklich weh tut, ist zu verharren, dort wo wir sind, obwohl wir weiter kommen wollen.

      Übrigens: Angst kommt von „angus“ – lat. für Enge… Ich finde, das sagt so einiges aus.
      Alles Liebe
      Birgit

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