Ich muss noch schnell…

 

Ich muss noch schnell…

Oder was deine Art zu Gehen über deine Persönlichkeit aussagt

Mein Onlinekurs ZU DIR STEHEN ist fertig und nach monatelanger Arbeit habe ich mir zur Belohnung eine wunderbare Auszeit in Marrakesch gegönnt. Wieder zurück, kommen mir die Menschen hier so wieselflink und umtriebig vor. Jeder scheint produktiv und aktiv zu sein, den Kopf nach vorn gebeugt, irgendwas ins Mikrofon des Handys murmelnd. Fast könnte man meinen, dass Erfolg und Leistung mit der Schrittgeschwindigkeit zusammenhängen.

In Marrakesch haben die Leute sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten. In Marokko nimmt man sich Zeit für gute Gespräche und gutes Essen. Einmal sind wir stundenlang unter einem Baum auf Teppichen gesessen und haben uns nur unterhalten und gegessen. Ach war das schön.

Wer bei uns durch die Gegend schlendert, hat entweder „Der Weg des Künstlers“ gelesen und befindet sich mitten in einem kreativen Date mit sich selbst oder wird gnadenlos als entschlusslos und als Taugenichts abgestempelt. Ich finde, wir sollten lernen, da drüber zu stehen, denn ruheloses, rasches Gehen ist nichts als Hektik und als solches uneffektiv. Was meinst du?

Deine Erwartungen erfüllst du nicht, indem du mal schnell…

Weißt du, welches Volk es am eiligsten hat? Das sind die Bewohner Singapurs, die hetzen mit 6,2 Stundenkilometern durch die Stadt. Vor was sind sie auf der Flucht?

Singapur heißt es, ist die Schweiz Asiens und ist ein Staat der Superlative: Der beste Flughafen, der größte Seehafen, das höchste Wirtschaftswachstum, die aufregendsten Bauprojekte…

Der bekannte Achtsamkeitstrainer Jan Eßwein bringt es auf den Punkt: „Was wir vor 100 Jahren in einem ganzen Menschenleben an Information aufgenommen haben, dafür brauchen wir jetzt gerade mal ein Jahr.“

Wir haben gelernt, schneller zu schlafen, nebenbei zu essen und viel produktiver zu arbeiten, aber wir haben verlernt, in Balance zu leben. Cay von Fournier

Warten, bis die Seele nachkommt

Wir fühlen uns vermeintlich wohler, wenn die uns zur Verfügung stehende Zeit prall gefüllt ist. Vielleicht auch, weil wir dann keine Zeit haben, über uns nachzudenken. Achtsamkeit ist nicht besonders attraktiv und dennoch rächt es sich, wenn wir uns davonlaufen. Wir zahlen dafür, indem wir uns entkörperlichen. In Ländern, in denen es bedächtiger zugeht, kennt man weder Hörsturz noch Burnout.

In Marokko habe ich gelernt, wie genussvoll Pausen sein können, die nicht mit Programm gefüllt sind. Wir haben uns gegenseitig vorgestellt. Und es war eine Wohltat, jeder Frau zuzuhören, was sie über sich zu berichten hatte. Das war kein Runterrattern von Name, verheiratet oder nicht, Kinder oder nicht, arbeite hier oder da und fertig. Frauen, die anfangs von sich behaupten: „Über mich gibt es nichts zu berichten“, warteten mit faszinierenden Lebensläufen auf, einfach, weil wir ihnen Zeit schenkten.

Weil wir gerade über die schnellsten Fußgänger der Welt gesprochen haben. Es wurde auch erforscht, wo sich die Menschen am langsamsten bewegen. Den Rekord bricht Malawi aber nur etwas schneller schlendern die Berner in der Schweiz mit gerade mal 3,8 Km/h durch die Gassen.

Nun kann man nicht behaupten, dass die Schweizer nichts auf die Beine stellen. In Marokko habe ich eine ganz erstaunliche Schweizerin mit dem Namen Christine Ferrari (!) kennen gelernt. Sie hat in der Nähe von Marrakesch eine Safranplantage nebst Barfußpfad aus dem staubigen Boden geschaffen. Die Frauen, die für sie arbeiten, fühlen sich so wohl, dass sie zur Ernte mit ihrer besten Kleidung, geschmückt und guter Laune erscheinen.

Übrigens habe ich mir notiert: Safran ist hervorragend für die Gelenke und soll ähnlich wie Kurkuma gut gegen Arthrose sein. Wichtig ist, Safran immer erst zum Schluss zugeben.

Frauen in Marokko

Ich weiß, ich weiß, ich bin noch ganz verklärt und verzerre. Wir waren nur in Urlaub und wer Geld hat tut sich leichter. Den Frauen geht es im Marokko viel schlechter als bei uns. Ist das so? Die Vielehe wurde 2004 abgeschafft. Statt wie früher mit 8% Witwenrente das weitere Dasein als Bettlerin verbringen zu müssen, stehen Frauen nun 50% zu. In so manchen Geschäften haben die Frauen die Hosen an und in den Kooperativen sowieso, wenngleich nur bildlich. In diesen Gemeinschaften ernten, verarbeiten und vertreiben Frauen ihre Agrarprodukte. Es sind alte Frauen, Witwen, Geschiedene und junge geschäftstüchtige Singlefrauen, die hier Lebensmut gefunden haben und es ist eine wahre Freude, den Stolz in ihren Gesichtern zu sehen. Holla, so was habe ich noch nicht gesehen.

Noch schnell einen Saunaaufguss oder eintauchen ins Hamam

Gestern im Fitnessstudio unterhielten sich zwei Frauen und beschlossen: noch schnell in die Sauna zu gehen. Das unvergleichliche Erlebnis, mich in einem Hamam verwöhnen zu lassen ist mir noch sehr präsent. Da geht nichts schnell und verabschiedet wurde ich mit einem Küsschen auf die Wange.

Unser Orts in der Sauna schwitzt man anonym vor sich hin, in Marokko wird gegackert und gelacht. Du wirst eingeseift und abgeschrubbt, massiert und verwöhnt. Und wer Lust darauf hat, lässt sich die Hände oder Füße noch mit Henna verzieren und wartet dann zwei Stunden, bis die Paste abgewaschen werden kann. Hält zwar kaum eine Woche, ist aber eine sinnliche Erfahrung. Achtung: In manchen Ländern wird die Paste mit bedenklichen Inhaltsstoffen angereichert und kann Allergien auslösen.

Ein bisschen Hamam-Feeling gefällig? Dann nimm grobes Meersalz und ein dicke Scheibe Zitrone mit ins Bad und rubble dich mit diesem natürlichen Peeling ab. Abduschen und auf die noch feuchte Haut naturbelassenes Hautöl verteilen.

1001-Gefühl oder 08/15-Alltagstrott?

Wieder zurück in der Normalität, kommt mir manches fade vor. Eine Welt, in der ein Liebesspiel 11 Minuten dauert, wie Paolo Coelho in seinem gleichnamigen Buch darlegt. In der die Huber Buam, ein dauerkraxelndes Bruderpaar, im Turbobetrieb die Berge hoch- und gleich wieder runtersteigt. In der Speedreading das Genusslesen ablöst. Ich erinnere mich noch mit Schaudern an die Zeit, bevor mich meine Fußprobleme endlich entschleunigt haben. Lies auch Vom Sinn und Unsinn des Wartens.

Ich habe mir Arganöl für meine Füße und Orangenblütenessenz mitgebracht, das ich großzügig in der Wohnung zerstäube. Wenn ich die Augen schließe, stellt sich die Erinnerung an diese sinnliche Woche sofort wieder ein. Mmh…

Mich interessieren Füße ganzheitlich. Und ich kann gar nicht mehr anders, als speziell auch in anderen Ländern Frauen auf die Füße zu schauen. Was stellen sie auf die Beine? Wie bewegen sie sich? Wie stehen sie zu sich? So manches können wir uns abschauen und einiges davon findet Platz in meinen Artikeln und Kursen.

Alles Liebe

Birgit

P.S. Trag dich in den Fußletter ein, dann bekommst du weitere Tipps, die dich gut im Leben stehen lassen.

 

 

2 thoughts on “Ich muss noch schnell…

    • Birgit

      Liebe Telse,
      das freut mich. Das Wort „ganzheitlich“ trifft es sehr gut. Marokko hat alle meine Sinne genährt.
      Alles Liebe
      Birgit

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