Schämen im Sommer

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Wofür wir uns schämen

 

Wir schämen uns vor dem anderen Geschlecht. Vor anderen Frauen, die immer alle schöner, jünger, interessanter sind. Und schlimmer noch: wir schämen uns vor uns selbst.

Wir schämen uns sogar – weil wir uns schämen – und nicht alles mitmachen wollen aber nicht als Spielverderberinnen dastehen wollen.

Wir schämen uns vor unserer Nacktheit oder wenn wir das überwunden haben, dann halt für unser Doppelkinn; die Altersflecken; Falten; graue Haare; Haare im Gesicht oder wegen unseres Geruchs.

Wir schämen uns für unsere Lust oder dafür, dass wir keine Lust empfinden. Wir schämen uns wenn wir ohne Arbeit sind und es ist uns peinlich über Geld zu sprechen.

Unser Erschöpftsein bringt uns in Verlegenheit und wenn wir zu diszipliniert sind, sind wir uncool.

„Nur Mutter“ zu sein ist uns ganz arg. Aber noch peinlicher ist uns, als Rabenmutter betitelt zu werden. Wir schämen uns, wenn uns Defizite an uns gewahr werden; wir nicht studiert haben und wir schämen uns, wenn wir wegen Überqualifikation keinen gescheiten Job bekommen.

Wir werden rot, wenn wir gelobt und genauso wenn wir getadelt werden.

Nicht fassbar, wofür wir uns alles schämen.

Und nicht fassbar, dass

immer mehr Stellen unserer wunderbaren Frauenkörper nicht mehr gut genug sein sollten.

Also, was mich anbetrifft, habe ich dazu keine Lust mehr. Zumal mir jetzt klar ist, dass so viele unserer körperlichen Beschwerden ihre Ursache in un-gefühlten Gefühlen haben. Speziell unsere Füße sagen uns, ob wir

  • neben uns stehen
  • zu uns stehen
  • oder grade garnix versteh’n

Die Art und Weise, wie du abgelehnte Teile deines Körpers behandelst, spiegelt wider, wie du dich selbst annimmst. Lies dazu Nicht ohne meine Füße

 

Für den Blog, Netzwerk Frauengesundheit, habe ich einen Gastartikel geschrieben. Ich habe ihn verfasst mit der Intention, ein wenig Balsam für unsere Körper zu erzeugen. Du kannst ihn hier lesen. Klicke hier

Viel Freude beim Lesen und beim un-verschämten Rundgang durch deinen Körper.

Ansonsten gönne ich mir Hitzefrei. Aale mich in der Sonne, genieße mich und gönne mir ein saftiges Stück Wassermelone. Und ich höre (Link) Shame, Shame, Schame und tanze dazu. Tanzt du mit?

Alles Liebe und komm in deine weibliche Kraft – barfuß oder auf hohen Hacken

Birgit

Wenn du dich fragen solltest, was schämen mit Sommer zu tun hat: Schämen kannst dich natürlich auch im Winter. Aber bis dahin hoffe ich, dass wir keine Lust mehr haben, dieses Spiel immer und überall mitzuspielen. Dazu kreiere ich gleich ein Motto:

Ach, bevor ich es vergesse: ich freue mich über Kommentare und Likes – auch wenn’s warm ist 😉

 

8 thoughts on “Schämen im Sommer

  1. Christa

    Hab diesen herrlichen Blog-Artikel gleich meinen sämtlichen Freundinnen gezeigt, die gleich in ein heftiges Palaver ausbrachen. Dicke Männer-dicke Frauen…die Ehe von jungen Männer/alten Frauen (s Macron) und andersrum….. usw. Hab aber selber auf der Hochzeit von Sohn Michael schamlos barfuß getanzt!!! Ging gut!! LG aus münster

    • Birgit

      Liebe Christa, das nenne ich effektiv. Sich in der Gruppe entschämen hat was. Ich kann mir vorstellen, dass dir so mancher Partygast neidisch bis bewundernd auf die Füße geguckt hat.
      Alles Liebe – Birgit

  2. Liebe Birgit,
    klasse geschrieben und ein klasse Statement, was ich komplett unterstreichen kann. Wir werden von der Umwelt auch so wahrgenommen, kommen dort so an, wie wir uns selbst fühlen und über uns denken. Wir kreieren damit unsere Ausstrahlung. Sie hat nichts mit den Körperformen zu tun… Alles Liebe dir und Grüße von Tina

    • Birgit

      Liebe Tina,
      im gleichen Maße wie wir uns schämen, halten wir uns mit Eigenlob zurück. Wir sind und leisten Besonderes, halten uns aber, wenn wir gnädig mit uns sind, bestenfalls für durchschnittlich. Auch damit kreieren wir unsere Ausstrahlung und halten unser Licht klein. – Außer: wir bringen unser Licht in die Welt 🙂
      Alles Liebe
      Birgit

  3. Heidi

    Liebe Birgit, liebe Draufgängerin/nen,

    ‚Schämen‘ – ein Thema in meinem Leben auf verschiedenen Ebenen, in verschiedenen Ausprägungen….

    Heute aber nochmal (etwas bewusster) gemerkt … dass manches, wofür ich mich jahrzehntelang doch mehr oder weniger schämte, nachlassen kann. Warum? Nicht unbedingt, weil ich damit psychisch besser umgehen kann, sondern weil die ZEIT etwas bewirkt hat – die Wechseljahre rein physisch etwas bewirken : Die haarigen Beine verschwinden (also, die Haare, nicht die Beine!). Heute im Garten begutachtete ich also mit einer zweiten Person den spärlichen Rest an Behaarung und freute mich…. das Schönheitsideal oder -diktat sagt halt etwas anderes – und zwar schon ziemlich lange

    Und das schwabbeliger gewordene Bindegewebe? Nein, dafür schäme ich mich nicht.
    Das bin ich, die schon über ein halbes Jahrhundert lebt, das kann nicht mehr prall und babyhautglatt sein…. – und die Tatsache, dass es etwas Weibliches an sich hat, gefällt mir.

    Und soll ich mich für die helle, ungebräunte Haut an den Beinen und den Füßen schämen? Warum das? Meine Haut ist helle UND heile, mein Körper trägt mich durchs Leben – und die Füße, die, die die Last tragen, werden auch wieder heil werden.

    Danke für die Anregungen in deinem blog,

    viele Grüße
    Heidi

    • Birgit

      Liebe Heidi,
      Scham bremst uns aus. Gleichzeitig zeigt sie uns aber ganz deutlich, wo wir noch nicht offen sind. Manchmal genügt es auch schon, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nicht allein mit diesem Problem sind. Hier ist dann ein Perspektivenwechsel nützlich, so wie du es mit deiner „Freundin“ machst. Wenn wir uns (auch in Gedanken) einer anderen Person anvertrauen, wird sie uns wahrscheinlich deutlich mehr Mitgefühl entgegenbringen als wir selbst. „Das ist doch aber gar nicht so schlimm“ wird sie höchstwahrscheinlich antworten. Und ja, dann ist es wirklich schon etwas leichter. Allein dadurch, dass wir etwas Licht hereinlassen, werden wir auch handlungsfähig, bzw. können bewusste Entscheidungen fällen. Will ich das? Will ich etwas ändern? Ist es das wert?
      Alles Liebe und vielen Dank, dass du das mit uns teilst
      Birgit

  4. Oh ja liebe Birgit,
    da sprichst du ein Thema an… Gut so! Ist es nicht ver-rückt, wie wir Frauen uns selber der Lebensfreude berauben, weil wir uns für 100.000 Dinge an uns und um uns herum und was weiß ich noch alles schämen? Danke für diesen Artikel und fürs Erinnern, denn in Wirklichkeit gibt es (fast?) nie einen Grund, sich zu schämen. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es ist ein Vorteil des Älterwerdens, mit sich gelassener umzugehen 😉
    Auf dein Interview bin ich schon gespannt, habe Stefans Podcast eh abonniert und werde ihn mir morgen auf der Fahrt nach Berlin ins Ohr stöpseln.
    Liebe Grüße und genieße die Sonne!
    Sabine

    • Birgit

      Liebe Sabine,
      wenn wir Dinge offen ansprechen, nehmen wir ihnen die Macht über uns. Mit meinen Artikeln über Scham möchte ich mich ins Herz all der Frauen schleichen, und ihnen Mut zuflüstern, die sich verschämt zurücknehmen. Vielleicht wird ein „so schlimm ist das ja eigentlich gar nicht“ draus und irgendwann ein „seltsam, und deshalb habe ich mich so geschämt?!“
      Unverschämte und dennoch liebe und respektvolle Grüße 😀
      Birgit

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