Vom Sinn und Unsinn des Wartens

Warten

Die Beine in den Bauch stehen – oder

Vom Sinn und Unsinn des Wartens

 

Warten ist ein Geisteszustand. Grundsätzlich bedeutet es, dass du die Zukunft willst; du willst nicht die Gegenwart. Du willst nicht das, was du hast, du willst das, was du nicht hast. Mit jeder Art von Warten schaffst du unbewusst einen inneren Konflikt zwischen deinem Hier und Jetzt, wo du nicht sein willst, und der projizierten Zukunft, wo du sein willst. Das reduziert die Qualität deines Lebens gewaltig, weil du die Gegenwart verlierst.
Eckart Tolle

 

Worauf wartest du?

Im Supermarkt. Die obligatorische Schlange. Vor mir ein Mann. Er sieht eigentlich ganz vernünftig aus, schickt aber offensichtlich sonst seine Frau zum Einkaufen. Dass Aufbegehren nicht nur nichts bringt, sondern die innere Pein verstärkt ist ihm nicht klar. Nun versucht er mich in sein Drama zu ziehen und erhofft sich, dass ich mit einsteige in sein nunmehr lautstarkes Lamentieren. Ich staune heute noch über den Satz, der plötzlich über meine Lippen kam:

„Dafür zahlen manche Menschen viel Geld!“

?! – Seine Neugier war jetzt größer als seine Pein.

„Stellen Sie sich vor, sie wären in einem Zen-Seminar und Ihr Großmeister gibt Ihnen genau diese Aufgabe: nämlich in einer Supermarktschlange zu warten…“

Ich freute mich über die Verwandlung, von der ich Zeuge wurde. Er war schlagartig ruhig und friedfertig, schmunzelte und murmelte irgendetwas in der Art von „Stimmt. So kann man das auch sehen.“

Warten ist die Zeitspanne, mit der sich nichts Vernünftiges anfangen lässt. Das sagen zumindest die Ungeduldigen unter uns und die meisten von uns sind in dieser Hinsicht mehr oder weniger ungeduldig.

Immer wieder lasse ich mich treiben und höre mich ein wenig um im Lager der Wartenden. Da ist vom „Warten, bis man schwarz wird“ die Rede oder mit einem dramatischen Augenrollen: „ Darauf habe ich gerade noch gewartet…“.

Warten für Anfänger

Um dem Warten einen dramatischen Anstrich zu geben, braucht es ein paar unentbehrliche Zutaten:

Da wären ein paar imaginäre Flusen, die frau energisch von irgendwelchen Oberteilen wegzupfen kann. Tischplatten sind unverzichtbar für trommelnde Fingergymnastik. Für sinnfreies Nesteln sind gepflegte Fingernägel obligat.  In hübschen Schuhen macht sich das allgegenwärtige Wippen mit übergeschlagenen Beinen besonders gut. Kajal und Wimperntusche umranden theatralisches Augenrollen, wenn es mal besonders lang dauert.

Derart gewappnet, kann frau dann hoffentlich sagen: „Das Warten hat sich gelohnt.“

Bleiben wir ernst. Die Warterei kann uns zappelig machen und wenn wir nicht aufpassen zermürben. Im schlimmsten Fall verblühen wir dabei oder werden krank. So manche Tangoschnulze handelt von alten Jungfrauen, die zu lange gewartet haben.

Tipp:

Deine Hand kann dir ein wirksamer Helfer sein, wenn du versucht bist, dich zu ärgern:
Dein Daumen steht für Durchgeatmet? – Bewusst Luft holen ist Erste Hilfe gegen Stress
Zeigefinger für Zugelächelt? – Dir selbst oder anderen?
Mittelfinger für „Mmmmh…“ erlebt? – Was kannst du gerade schönes erkennen oder dir gönnen?
Ringfinger für Ruhepäuschen eingelegt? Kannst du dir einen kleinen Tagtraum gönnen? Deinen Blick auf etwas Schönes richten?
Kleiner Finger für Kontakt mit einem Lebewesen? – Wie wäre es mit einem aufmunterndem Satz? Einem Kompliment?
Aus Mein Weg zu mehr Gelassenheit: Ein Impuls- und Notizbuch für innere Stärke und Balance von Alexandra Bischoff. Und hier ihr Blog: Seelenbalancieren 

 

Warten ist Zeitverschwendung – ein gefährlicher Glaubenssatz

Undienliche Glaubenssätze haben enorme Auswirkungen auf uns. Die Idee, dass Warten schlecht sei hat Konsequenzen:

Körperliche Auswirkungen: Der Volksmund kennt die Beine, die wir uns in den Bauch stehen und die allgegenwärtigen Plattfüße. Schwere Beine, Krampfadern, gestauchte Gelenke, Organsenkungen und Rückenschmerzen kommen von der Opferhaltung, in die Wartende nur allzu leicht fallen. Wer da nicht gegenrudert, wird mit Stresshormonen überschwemm. Der Blutdruck steigt, wenn wir wütend werden, bei anderen sinkt er durch Bewegungsmangel.

Energetisch: Entrüstetes Schnauben macht den Solarplexus eng. Chakren machen dicht und wenn wir unsere Aura sehen könnten, wäre sie wohl schmutzig und ausgefranst. Wenn du es etwas praktischer willst: Die Körperspannung sinkt, was auch dazu führt, dass unsere Stimme dünn und nicht aussagekräftig ist, wenn wir dann endlich an der Reihe sind.

Geistig/seelisch: Zum Warten verdammt zu sein, macht uns ohnmächtig. Dieses Gefühl hat Selbstzweifel, Wut und Leiden im Gepäck. Künstler, die auf Inspiration warten, Studenten auf ihre Noten, Jobsuchende auf eine Zusage, Patienten auf eine Diagnose. Unsicherheit nimmt Platz, wo eigentlich die Selbstliebe gefragt ist?

Auswirkungen auf unsere Schönheit: Wenn wir nicht aufpassen, spiegeln wir automatisch die Körperhaltung und die Mimik der Mitwartenden. Hängender Busen, Schultern und Mundwinkel sind das Ergebnis. Glaubst du nicht? Dann fahre mal zur Stoßzeit in der Münchner U-Bahn. Wissenschaftler nennen das Facial und Body Feedback. Klar, dass bei solcher Körperhaltung auch keine schönen Gedanken kommen.

Deshalb brauchen wir, wenn die Warterei vorbei ist, einen Ausgleich. Dehnen und Strecken wäre jetzt angebracht, gerne auch genussvolles Gähnen. Ist aber nicht normal, deshalb greifen wir zu Kaffee und Zigaretten oder checken das Handy. All dies sind untaugliche Bemühungen, um sich nicht als Opfer zu fühlen und „Frau“ der Situation zu bleiben. Tatsächlich lenken sie uns aber nur von uns selbst ab. Wir sind nicht präsent und vergeuden unsere Lebenszeit.

Es ist an der Zeit, sich grundlegende Fragen zu stellen.

Welche Erwartungshaltung habe ich an mich und mein Leben. In welchem bevorzugten Seinszustand will ich meine Tage verbringen. Bin ich wirklich bereit, meine Würde in der Warteschlange aufzugeben?

Die Qualität des Wartens beeinflusst das, worauf wir warten

  • Wir wollen nicht mehr warten. Der Begriff Patient, von. lat.: Geduld, passt schon längst nicht mehr. Wartezeiten beim Arztbesuch werden nicht mehr hingenommen. In unserer schnelllebigen und durchgetaketen Zeit passen sich Dienstleister und mittlerweile sogar Behörden an.
  • Wir können nicht mehr warten. Weil wir es schlicht verlernt haben. Statt Briefe zuschreiben und auf Antwort zu harren, simsen wir -hastdunichtgesehnsoschnell- leere Worthülsen und versichern „Ich komme gleich“. Etwas zu ersehnen und sich darauf einstellen können bleibt auf der Strecke.

Worauf wir nicht mehr warten können oder wollen, verliert an Wert. Schnelle Verfügbarkeit ist noch lange kein Garant für mehr Genuss und Lebensfreude.

Manch Ding braucht Weile. Wir brauchen Zeit, um uns zu fokussieren. Vorfreude aufzubauen und auch unsere Körperspannung zu erhöhen. Sei es für ein Fotomotiv oder wenn du auf Gäste wartest. Wenn etwas zu schnell da ist, sind wir unvorbereitet.

 

Der Abwasch kann warten. Das Leben nicht

Zeit ist Geld, sagt man. Und warten ist Zeitverschwendung. Mit dieser Brille hetzen viele in die Arbeit und verbringen rastlose Tage. Am Ende des Lebens haben wir dann zwölf ganze Jahre vor dem Fernsehapparat verbracht. Dagegen nur acht Jahre mit Arbeiten. Sieben Jahre auf den Schlaf wartend im Bett, fünf mit Essen und als Frau zwei Jahre vor dem Spiegel. Jeweils zwei Wochen mit Küssen und Beten und zwei Tage mehr mit Warten vor der Supermarktkasse… 😉

 

Warten als Kunstform

Kennst du Queing? So nennen die Engländer das stilvolle Warten auf den Bus in einer Reihe. Rempeln und Drängeln wie andernorts sind dort verpönt. Andere beim Warten beobachten hat etwas, die Hohe Schule ist jedoch, sich selbst dabei zuz beobachten. Wenn wir schon so viel Zeit damit verbringen, macht es Sinn, gut für sich zu sorgen und sich auf Wartezeiten einzustellen: Strickzeug? Skizzenbuch? Tee? Oder du erlaubst dir Tagträumen und die Wolken zu beobachten.

Tipp:

Wenn du richtig stehst, kannst du stundenlang warten. Die Energie, das Qi fließt, du bist entspannt, geerdet und guter Dinge: Dazu stelle dich gut hüftbreit und achte darauf, dass beide Fußsohlen den Boden gleichmäßig berühren. Deine Knie sind minimal gebeugt. An deinem Scheitel fühlst du dich nach oben gezogen. Wenn dir danach ist, kannst du unmerklich schwanken wie ein Bambus im Wind.

 

Innehalten statt warten

Wer warten kann, kann auch genießen. Slow Food, Slow Sex, Slow irgendwas. Schlendern und Flanieren. Den Wolken nachschauen. Den Gedanken freien Lauf lassen.  Langeweile aushalten können und das Leben mit allen Sinnen kosten.

Längst haben sich unsere Sehgewohnheiten verändert. Veränderungen nehmen wir nicht mehr so unmittelbar wahr. Viele heben nicht mal mehr den Blick vom Smartphon, während sie in den Bus einsteigen. Was für ein Genuss, gegenzusteuern und sich liebevoll anzusehen. Sich Zeit für ein aufmunterndes Lächeln zu nehmen.

 

Was wartet auf dich?

Was wartet auf dich? Wenn wir aufhören zu warten, erkennen wir, dass etwas auf uns wartet – lange schon. Es ist schon da. Was ist das für dich?

 

Alles Liebe und Grüße an die Füße

Birgit

 

Wie geht es dir mit Warten? Schreib einen Kommentar.

 

19 thoughts on “Vom Sinn und Unsinn des Wartens

  1. Ivonne Bilanzhaf

    Liebe Birgit und Leser,
    wir kommen jeden Tag in die Situation des Wartens – das lässt sich nicht vermeiden! Aber warum nicht das Beste daraus ziehen – den Tag oder Vortag z.B. revue passieren lassen und sich die schönen Dinge nochmals vor Augen führen – der wildfremde Mann an der Ampel der freundlich grüßte, die Oma im Obstladen die sich unheimlich über das Tür öffnen und grüßen gefreut hat, die sonnige Aussicht vom hauseigenen Balkon welche voller Blumenpracht ist, das Kompliment des Nachbarn das man heute erhalten hatte – es passieren so viele kurze schöne Momente deren wir uns gar nicht mehr wirklich bewusst sind weil wir alle wie in Deinem Bericht erwähnt – keine Zeit haben. Es ist zu schade seine Welt in der Zukunft zu sehen, lieber sollte man die Gegenwart des Nichtstun geniessen und dem Hirn Zeit zum „positiven schweifen“ geben. Dies geht am Besten wenn man drei Mal tief durchatmet, so bekommt das Gehirn ein Signal zur Entspannung und dann geradestehend einen kleinen Punkt in der Umgebung fixieren und die positiven Erinnerungen des Tages hervorrufen.
    Ich bin dadurch ein sehr geduldiger Wartender geworden, kann diese kurze Auszeit genießen und mein Hirn ist mir dankbar dafür …
    Viele Grüße
    Ivonne

    • Birgit

      Liebe Ivonne,
      vielen Dank, dass du das mit uns teils. Dein kleines Ritual: Drei Mal tief durchatmen, Punkt fixieren und sich dankbar über die kleinen Geschenke des Lebens freuen.
      Dazu fällt mir etwas ein: 2007 spielte der weltberühmte Konzertgeiger Joshua Bell in der Washingtoner U-Bahn. Meist blieben nur Kinder stehen, die Erwachsenen hatten keine Zeit. Er verdiente während einer dreiviertel Stunde 32 Dollar auf seiner 3,5 Millionen-Dollar-Stradivari. Niemand applaudierte. Zwei Tage später spielte er in einem – seit langen ausverkauften Konzertsaal. Der durchschnittliche Kartenpreis lag bei 100,– Dollar und er bekam brandenden Applaus…

      Alles Liebe
      Birgit

  2. Liebe Birgit,
    das mit dem Warten stimmt. Ständig ist man in Zeitdruck und hetzt umher, ärgert sich über jede Verzögerung. Da hast du Recht, man könnte mit der Wartezeit wirklich etwas besseres anfangen als sich nur zu ärgern. Werde ich mal versuchen.
    Liebe Grüße von Gisela von den Vorlesern

    • Birgit

      Liebe Gisela,
      Zeitdruck und Ärgern über Verzögerungen laugen aus und machen uns nicht direkt schöner. Oder? Deshalb hier ein kleiner Warte- und Schönheitstipp aus der Stimmbildung: Mit der Zunge innen vor den Zähnen kreisen. 3x rechts, 3x linksrum. Ist etwas anstrengend aber danach kannst du prima dein Kiefer entspannen, das beim missmutigen Warten nämlich ziemlich verkrampft. Weise lächeln über sich selbst und die Lippen zart entspannen.
      Wenn du so für einen entspannten Gesichtsausdruck sorgst, entspannt sich auch dein Gegenüber.
      Alles Liebe
      Birgit

  3. Heidi

    Mir wurde gestern auch nochmal bewusst, dass wir ‚Warten‘ nicht als genauso selbstverständlichen und genauso wichtigen Teil des Lebens sehen wie andere Zeiten, wo wir „aktiver“ sind oder uns aktiver fühlen:
    Ich saß im Bus nach Hause und wollte sehr gern zuhause sein, und dachte:
    Ist dies nun Warten?
    Wartezeit, bis du zuhause bist?
    Und ist es irgendwie lästig?
    Meine Antwort an mich war: Wartezeit ist es im Grunde ja – weil du sitzt und auf ein Ziel hin steuerst (bzw. jemand, der Fahrer, steuert dich!) – aber es ist genauso LEBEN wie wenn du dann aus dem Bus aussteigst und die 200 m nachhause läufst oder dann zuhause „aktiv bist“.
    Also: Warten in einer Warteschlange, warten, bis die Kartoffeln endlich kochen, warten, bis jemand sich äußert, Warten auf Urlaub, etc. etc. etc. ist genauso als elementarer Teil des Lebens zu sehen und als Hier und Jetzt zu erleben wie, …. ja was?

    Hoffe, ich konnte meinen Gedankenansatz hier verständlichmachen…

    Viele Grüße 🙂

    • Birgit

      Liebe Heidi,
      es geht um Lebensqualität. Und wir haben es in unserer Hand, ob wir uns als Opfer sehen oder nicht.
      Mir ist auch noch etwas eingefallen: Der Marshmallow-Effekt: In einem Experiment werden Vorschulkindern Marshmallows angeboten. Eines, wenn das Kind sein Verlangen danach sofort befriedigt haben will. Zwei dagegen, wenn es warten kann. Belohnungsaufschub genannt. Kinder, die warten können, sollen es im späteren Berufsleben leichter haben, so das Ergebnis der Studie. Sie würden besser mit Stress und Frustration im Leben umgehen können. Der Test ist mir bereits im Studium begegnet. Damals fand ich das einleuchtend und erstrebenswert. Heute bin ich, was diese Aussage angeht, nachdenklich. Was genau lernen die Kinder eigentlich? Und auf welche billigen Süßigkeiten warten wir, wenn wir uns versagen, im Jetzt zu leben?
      Alles Liebe
      Birgit

      • Heidi

        Das uralte Experiment von Walter Mischel, ja… Was genau lernen die Kinder eigentlich?, fragst du. Nun, die Kinder halten inne, gezwungenermaßen – und spüren etwas beim Warten. Sie spüren ein Gefühl bei sich, sie spüren Gier, letztlich ein Bedürfnis, ein Widerstreit der Gefühle, ein Dilemma. Das finde ich per se wichtig zu erleben.
        Und Kontrolle zu lernen ist auch in Ordnung.
        Manchmal ist das Warten und Abwarten, genau das, was angesagt ist, denn schlicht gesagt wären wir ja sonst z.B. kontrolllos, unruhig, vielleicht triebgesteuert, vielleicht narzisstisch, vielleicht „ADHS-ig“.
        Im Hier und Jetzt leben, ja, aber das schließt Warten, Stillhalten, Mundhalten, nur Beobachten nicht aus.
        Warten ist ein immanenter Teil von Sehnsucht. Oder umgekehrt.
        Wahrscheinlich könnte ich das jetzt mit Beispielen unterfüttern, wo ich meine, dass sich das Warten gelohnt hat. Aber im Grunde ist auch diese Bewertung (es hat sich gelohnt) ein im Nachhinein so als positiv bewertete Sache.
        Das ist nicht alles so einfach auszudrücken…. Und ich will damit nur sagen, zusätzlich zu meinen obigen posts, Wartenmüssen ist weder gut noch schlecht. Es gibt nie nur Schwarz und Weiß.
        Ich bin sicher, wir gehen da konform.
        🙂
        Heidi

  4. Julia le corre

    Hallo,
    tja ich sehe das Warten von einer ganz anderen Seite… Was aber ja auch kurz angesprochen wurde, achja, oben in dem Satz von Eckart Tolle.
    Dann warte ich und warte ich in der Hoffnung dass die Situation sich bessern wird, aber kriegs in der Gegenwart nicht hin eifgrig daran zu arbeiten, dass sich wirklich drastisch etwas verändert. So dümpel ich die Jahre dahin, nichts tut sich wirklich und dann hat der Hermann Scherer sehr recht mit der Aussage “ am Sterbebett bereut man nicht das was man getan hat, sondern das was man nicht getan hat… Also bitte nicht warten sondern leben ! Schöne Grüsse, Julia

    • Birgit

      Liebe Julia,
      ja, im Warten auf bessere Zeiten sind wir gut. Wenngleich es meist keinen Sinn ergibt. Denn so geht lediglich das Leben vorüber. Kinder leben im Jetzt. Warum warten, bis das Gewitter sich verzogen hat, wenn man so herrlich im Regen spielen kann. Pfützen hüpfen, sich herrlich im Schlamm einsauen. Einfach leben. Bis Erwachsene mit ihrer Vernunft einschreiten und nur die dreckige Wäsche sehen und nicht das unbändige Glück, von dem sie sich eine Scheibe runter schneiden könnten.
      Und was z.B. meine Fußschmerzen anging: das ach so vernünftige Warten und Pausieren hat gar nichts gebracht. Im Gegenteil: Meine Stimmung war im Keller.
      Alles Liebe
      Birgit

  5. Liebe Birgit,

    Warten gehört zur Lebenskunst, finde ich. Wie so oft gilt: üben üben üben …
    Danke für den schönen Artikel – und dass ich mein Fünf-Finger-für-Gelassenheit-Instrument bei Dir finden darf! 🙂
    Herzliche Grüße
    Sandra, die gestern eineinhalb Stunden in einem Arztwartezimmer gewartet und die Zeit prima für sich brauchen konnte (ausnahmsweise mal nicht lesend, sondern das Innere Lächeln übend, vor sich hin träumend, denkend, sich Notizen machend), bevor sie nachgefragt hat, was denn los sei, und genau in dem Moment aufgerufen wurde 😉

    • Birgit

      Liebe Sandra,
      dein Buch bietet etliche Anregungen, wie frau sich in der Balance halten kann – auch beim Warten. Deshalb habe ich deinen Tipp sehr gerne geteilt.
      Alles Liebe
      Birgit

  6. Heidi

    Schönes Thema, Birgit, und rundum beleuchtet.
    Warten ist ja ständig im Alltag real präsent, eben als „Warten“ (die „Warterei“), aber auch zzt. als Gesprächsthema mit Freunden und Nachbarinnen.
    Ich habe – bewusst – kein smartphone und kann daher entweder lesen, Notizen machen, Betrachtungen anstellen … oder, wenn ich überreizt bin, runterschalten und sogar die Augen schließen. Manchmal übe ich Verbkonjugationen aus dem Französischen oder fange an, Objekte in der Umgebung in diversen Fremdsprachen zu benennen. Andere beschäftigen sich mental vielleicht mit dem großen 1×1.
    Warum aber auch mal einfach „nichts“ denken, nichts gedanklich leisten… Darauf willst du wohl auch hinaus.
    Gespräche mit anderen anzufangen fällt mir nicht grundsätzlich schwer, ich will es trotzdem nicht immer.
    Beim Warten habe ich derzeit eher das Problem, dass man dabei oft steht und nicht sitzen kann. Und meine Füße das dann gar nicht auszuhalten scheinen. Die Anspannung wächst dann, und ich verkrampfe und werde unruhig. Keine gute Voraussetzung für die Füße, meine ich…
    Ich werde mal das mit dem Bambusrohr im Wind ausprobieren

    Viele Grüße!

    • Birgit

      Liebe Heidi,
      worauf ich hinaus will? Nur, dass wir ein klein wenig bewusster sind für das, was ist. Den Gedankenaustausch in den Kommentaren finde ich sehr bereichernd. Ich liebe die Poesie in den Dingen. Gerne kleide ich meine Beobachtungen in Worte und Lautmalereien und setze meine Gedankengebilde dann frei. Probier das mit dem Bambusrohr im Wind mal aus, nicht stehen zu können, ist häufig nur ein Gedanke.
      Alles Liebe
      Birgit

  7. Dagmar

    Liebe Birgit,
    Ein toller Text! Danke dafür!
    Ich finde immer warten kann man auch als geschenkte Zeit sehen.
    Wir warten auch um wieder zur Be-Sinnung zu kommen. Vielleicht fällt das aber auch kranken Menschen wie mir leichter, da sie aus dem sich immer schneller drehenden Zeitkarussell ausgestiegen sind.
    Liebe Grüße
    Dagmar 🙂

    • Birgit

      Liebe Dagmar,
      so ist es. Warten kann Gelegenheit zur Innenschau sein. Für andere ist es schlicht lästig. Manchmal verändert sich die Einstellung auch beim Warten.
      Neulich stand ich auf der Autobahn. Totalsperrung. Während der ersten beiden Stunden haben wir noch begierig den Verkehrsfunk erwartet, alle viertel Stunde aber ohne Hinweise darauf, wann es weiter geht… In der dritten Stunde wurden alle ruhiger. Die letzten haben die Lichter ausgeschaltet. Surreal: auf der linken Spur stehen in völliger Dunkelheit. In der vierten Stunde wirst du demütig. Diese Stunden haben etwas in mir zurecht gerückt. Das ist etwas völlig anderes als sich zum Meditieren zurück zu ziehen. Ich denke, ich verstehe, was du meinst.
      Liebe Grüße
      Birgit

      • gitti haas

        Liebe Birgit!
        In dem Wort Erwartung steckt auch das Wort Warten. Ich habe zur Zeit Probleme mit der ständigen Erwartungshaltung meines Partners. Hier ist das Wort „Warten“ negativ besetzt, da es mir die Freiheit nimmt. Früher habe ich das weniger bemerkt, heute stört es mich.
        Liebe Grüße Gitti

        • Birgit

          Liebe Gitti,
          vielen Dank für diese Gedankenperle 🙂 Er-warten drückt aus, dass etwas, das da ist nicht gut genug erscheint. Anders sein sollte. Das jedoch hat mit dem Objekt der Betrachtung nur in sofern etwas zu tun, als es das eigene Empfinden – nicht gut genug zu sein – spiegelt. Wir erwarten von uns selbst etwas.
          Wenn wir uns an der Erwartungshaltung des anderen stören, begeben wir uns aufs Glatteis, oder um im Bild zu bleiben, in ein Spiegelkabinett. Denn sich stören… ist das etwas anderes, als etwas zu erwarten?
          Wenn wir in uns richtig gut fühlen, selbst gut für uns sorgen und in Frieden sind, sind uns Gedanken der Erwartung fremd. Dann können wir alles im außen „gut sein lassen“.
          Alles Liebe
          Birgit

          • gitti haas

            Danke lb.Birgit, das ist wohl der Schmerzkörper lt.E.Tolle,den ich intellektuell sehr gut verstehe. Aber wie man sieht, noch nicht wirklich bewältigt habe.
            Liebe Grüße Gitti

          • Birgit

            Liebe Gitti,
            du bist eine Frau. Eine wunderbare Frau! Deshalb musst du auch nichts bewältigen. Eine Tasse heißen Tee in Händen, den Duft einatmend genügt.
            Alles Liebe und liebe alles
            Birgit

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