Bewegung macht schlau

IQ im Sommerloch

 

Bewegung macht schlau

 

Wusstest du, dass der IQ während eines 14-tägigen Urlaubs, die Kurve drastisch nach unten nimmt? Schlechte Nachricht: Mit Kreuzworträtsel und Sudokus kannst du das nicht gerade biegen. Und mit Lesen leider auch nicht.

Chillen, Abhängen, Ausspannen, wie immer du das nennst. Alle dürsten wir nach Sonne und Erholung. Aber deshalb müssen unsere grauen Zellen nicht wie Dörrobst in der Sonne schrumpeln.

 

Wie du im Urlaub deine grauen Zellen auf Trab bringst

 

Körpersprache lernen

Nach ein paar Tagen Sonne satt auf Kreta kam mir das Angebot: „Griechisch lernen in 60 Minuten“ gerade recht. Nicht so sehr, weil ich die Sprache lernen wollte, sondern weil ich neugierig war, wie das geht, in so kurzer Zeit.

Besonders Freude hat mir natürlich die griechische Körpersprache gemacht:

Ein Kopfnicken bedeutet – Nein. Und wenn es unmissverständlich sein soll, dann wird es von einem Stirnrunzeln und gleichzeitig fast süffisanten Nicken, nebst kaum merklichen Heben der Augenbrauen begleitet.

Nach dieser Stunde fühlte ich mich so angeregt, dass mich dieses Erlebnis auf die Idee brachte, wie wir unsere grauen Zellen mittels unseres Körpers auf Trab halten können.

 

Gerade im Urlaub sind unsere Lieben dort unten ganz anders gefordert als sonst.

 

Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele

Die Tage auf Kreta zum Beispiel, Handy-App meines Mannes sei dank, sind wir zweiundzwanzigtausenzweiunderundvier Schritte gewandert. Die hundert Höhenmeter erst rauf, dann runter in die Schlucht zum Kaffee und Baden lass ich mal außer acht…

Aus der Kinesiologie wissen wir um den Effekt der „Überkreuz-Übungen“. Beim entspannten Gehen schwingen unsere Arme automatisch gegengleich. Nachgewiesen ist der ausgleichende Effekt auf beide Hirnhälften. Ergebnis: bessere Konzentration und Lernfähigkeit.

 

Über Stock und Stein

Beim Wandern ist mir etwas aufgefallen: Ich war mit Treckinggsandalen unterwegs. Das war mir nur möglich, weil ich die letzten Monate regelmäßig eine spaßige Qi Gong-Übung gemacht habe. Dabei stehst du hüftbreit und schwankst, als hättest du etwas zu viel intus. Also, du verlagerst dein Gewicht auf die rechte Seite. Schwankst dann nach vorne und belastest deine Fußballen und schon geht’s nach links und dann nach hinten, wobei du dein Gewicht auf die Fersen abgibst. Im Prinzip wie ein großer Kreis mit deinem Becken – nur dass die Bewegung allein von den Sprunggelenken kommt. Du kreist und schwankst dabei wie ein Seemann…

Effekt: Deine Gelenke werden durchspült und genährt, Schlacken werden abtransportiert und Bänder und Sehnen gestärkt und nebenbei stimulierst du deine Fußmuskulatur. Optimal, wenn du gerne wanderst, tanzt oder in den Knöcheln immer mal wieder umknickst.

So, gut vorbereitet waren meine Treckingsandalen ein prima Trainings-„gerät“, um jeden Schritt aktiv zu spüren. Wer mehr spürt, hat auch geistig mehr zu verarbeiten. Nebenbei sind wir bei jedem Schritt zwangsläufig wachsamer als wir es mit festen Schuhen wären.

Bitte versuche das erst auf kurzen Etappen. Denn: wenn deine Fußmuskulatur ermüdet, wirst du unkonzentriert und das kann zu Fehltritten führen. Wer nicht trainiert ist und länger unterwegs ist, sollte das mit den Treckingsandalen bleiben lassen und besser zu ordentlichen Bergschuhen greifen.

 

Meditieren mit FlipFlops

Auch sie bieten eine prima Trainingsmöglichkeit für deine Fußmuskulatur. Dabei ist das Geräusch, das wir dabei produzieren ein Indikator dafür, ob wir gerade aktiv etwas für unser Fußgewölbe tun oder uns schlurfend „gehen lassen“. Der Sound gibt uns unmittelbares feetback, ob wir gesund und schön gehen oder nicht… Lies auch FlipFlops.

Wer sagt, dass Gehmeditation nicht auch mit FlipFlops möglich ist: Statt schlampig und knieschädigend zu latschen können wir achtsam gehen. Nimm dir eine bestimmte Wegstrecke vor, die du schweigend und mit entspanntem Blick, immer auf das Geräusch deiner Schritte achtend, zurücklegst.

 

Strandspaziergänge

Das Universum hat uns den Strand geschenkt. Es gibt kein sinnlicheres Fußtraining als barfuß am Strand zu gehen. Und zwar aktiv und bewusst. Dann nämlich hast du einen deutlich spürbaren Effekt. Lenke deine Schritte von feinem Kies und groben Steinen zu feinem Sand. Spüre, wie dein Fuß im Sand versinkt. Achte auf Temperaturunterschiede. Betrachte deine Spuren.

Beobachte auch andere beim Gehen. Ahme deren Gangbild nach und spüre, welche Auswirkung das auf deinen Körper, deine Selbstwahrnehmung und sogar die Wahrnehmung deiner Umgebung hat.

Sich über die Auswirkungen von Bewegung klar zu werden, verschafft dir nicht nur interessante Einsichten. Du erweiterst deinen Spielraum.

Bonus: Eine Wanderung im Flussbett oder am Strand im Wasser entlastet deine Venen, bringt deinen Kreislauf in Schwung und stärkt Muskeln und Bindegewebe. Ordentlichen Hunger bekommst du auch 🙂

 

Spielereien

Suche dir einen kleinen Stein, und versuche ihn nur mit deinem Fußgewölbe hochzuheben. Deine Zehen sollte dabei locker bleiben. Damit unterstützt du dein Quergewölbe. Spüre nach. Die winzigen Muskeln am Fuß anzusteuern erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Achte auch darauf, ob du dabei deine Finger verkrampfst und dein Gesicht verziehst.

Solche ungewohnten, feinmotorischen Bewegungen lassen neue Synapsen im Gehirn wachsen.

 

Balance

Auf einem Bein zu stehen ist eine Herausforderung. Vor allem, wenn unser Alltag von Sitzen uns Stehen geprägt ist. Am Strand trainierst du dein Gleichgewicht und andere haben was zum Gucken 😉 Achte darauf, welche Muskeln aktiviert werden. Wo kannst du dich entspannen? Verkrampfst du dein Gesicht und deine Finger?

Dein Fuß hat ordentlich zu tun, dein Gleichgewicht zu halten. Wackeln ist ok, denn es zeigt, dass dein ganzer Körper sich organisiert. Lächle und halte den Atem nicht an. Yogis sagen, dass das äußere Gleichgewicht der inneren Balance entspricht.

 

Tanzen

Jede Form von Tanz hat starke Auswirkung auf unser Gehirn. Durch koordinierte Bewegung und Verbindung mit Musik hilft Tanzen sogar gegen Demenz und Parkinson.

Volkstänze vermitteln uns einen tieferen Einblick in die Kultur eines Landes. Allerdings nicht durch Zuschauen bei touristischen Veranstaltungen sondern durch mittanzen.

 

 

Alles Kopfsache?

Wenn der Sand zu heiß, das Wasser zu kalt und die Steinchen zu spitz sind, woran liegt das? Was ist der Maßstab? Was in uns bewertet die Informationen, die unsere Füße nach oben in unsere Schaltzentrale senden? Diese Maßstäbe einer neuen Prüfung zu unterziehen macht Sinn. Vieles versagen wir uns leider häufig schon im Vorfeld, weil uns ungeprüfte Glaubenssätze auf Schritt und Tritt begleiten. Frage dich: „Ist die Wanderung wirklich zu anstrengend oder bin ich einfach bequem?“ Durchhalten hilft dir, deinen Willen zu stärken. Dich über spitze Kiesel zu trauen hilft dir vielleicht, in der Arbeit nicht so zaghaft aufzutreten.

Gerade im Urlaub haben wir die Möglichkeit und die Zeit, solche Dinge zu hinterfragen. Das macht Sinn, denn auch damit erweiterten wir unsere Grenzen.

 

Trinken

Unsere Gehirnleistung nimmt übrigens auch deutlich ab, wenn wir uns mit zu wenig Flüssigkeit versorgen.

Unsere Haut verdunstet in der Sonne mehr Wasser als üblich. Deshalb ist es wichtig, dass wir immer darauf achten, genügend Wasser zu trinken. Auch auf die Gefahr hin, dass wir beim Wandern manchmal nicht wissen, wohin damit.

Gut sind auch Gurken, Tomaten, Salat, Melonen und Tee. Wohingegen kalte Getränke uns noch mehr zum Schwitzen bringen.

Flüssigkeitsentzug durch vermehrtes Schwitzen, z.B. beim Wandern, Sport, Tanzen senkt die Konzentrations- und  Kombinationsfähigkeit und unsere Trittsicherheit.

 

Tautreten

Der Sommer eignet sich hervorragend, barfuß auf Wiesen zu gehen. Vor allem morgens im taunassen Gras, ganz in der Tradition des guten alten Pfarrer Kneipp. Mittlerweile bin ich süchtig danach. Innerhalb von ein paar Minuten nehmen meine Füße so viele unterschiedliche Reize auf. Ich lese: „Wunderwaffe gegen Stress, kräftigt das Immunsystem und erweitert den Geist durch neue Eindrücke“. Ich kann das nur bestätigen.

Tautreten ist eine Sensation – im wahren Wortsinn. Kühl-nass im Schatten; das gestrig kurzgemähte Gras – stachelig. Daneben eine sonnenbeschienene Stelle. Meine Füße werden umschmeichelt, sinken tief ein auf Moos. Gerade für mich als Stadtindianerin sind das so viele ungewohnte Eindrücke.

 

Springen

Noch im feuchten Moos überkommt mich der Wunsch, zu springen. Meine Sprunggelenke sind anfangs noch irritiert. Ich schüttle sie und freudig verwundert sind sie dabei. Ich hüpfe und mache eine Zeitreise in den Schulhof zum Gummitwist mit meinen Freundinnen.

Noch während ich so hüpfe, lasse ich meine Füße ein wenig schlenkern. Springe von einem Bein zum anderen und dann wundere ich mich nur noch, warum wir nicht mehr hüpfen. Haben erwachsene Frauen keinen Grund mehr, freudig durchs Leben zu hüpfen? Den Absprung wagen… Über den Schatten springen…

 

Auf den Punkt gebracht:

Bewegung macht schlau. Gehen, Springen, Wandern lässt die Gedanken wandern, bringt Bewegung ins Denken und in festgefahrene Situationen. Neue Wege tauchen auf.

 

In diesem Sinne wünsche ich dir noch einen wunderbaren Sommer.

Alles Liebe und Grüße an die Füße

Birgit

P.S. Hast du Tipps, die du beisteuern kannst? Schreib einen Kommentar.

4 Kommentare zu “Bewegung macht schlau

  1. Liebe Birgit,

    ein toller Text und besonders die Abwechslung macht es aus, wie ich jetzt wieder im urlaub gemerkt habe. Die Flip-Flops für kurze Wege, barfuß am Strand und Sandalen, für die luftigen Füße.

    Liebe Grüße von Gisela von den Vorlesern

    • Birgit

      Liebe Gisela,
      ist ja spannend: Vorleserinnen. Da hab ich gleich mal auf eure Seite gelurt und was habe ich gefunden? „Mit High Heels und Handschellen“. Vielen Dank für dein „feetback“ –
      Draufgängerische Grüße zurück 🙂
      Birgit

  2. Gisela Schellbach

    Liebe Birgit,das Wandern über Stock und Stein,bergauf ,bergab,ohne Stöcke,nur im Notfall für schwierige Passagen,das ist meine Lieblingsbeschäftigung im Urlaub,an freien Tagen.Trotzdem möchte ich in diesem Jahr nochmal das Meer sehen für ein paar Tage,verbunden mit Wanderungen am Strand

    • Birgit

      Liebe Gisela, dann viel Vergnügen am Strand. Du hast ja nun ein paar Anregungen 😉
      Alles Liebe – Birgit

      Übrigens richten Stöcke unheimlich viel Schaden in der Natur an. Beim achtsamen Gehen darf frau auch darauf achten.

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