Lässigkeit

Lässigkeit

Lässigkeit

Warum sie dich satt und glücklich macht

 

In meinen 20igern war die Zeit der lila Latzhosen und darunter „Mein-Bauch-gehört-mir!!!“

Ich trug tagsüber Jeans und Turnschuhe und abends war ich Bauchtänzerin.

Zehn Jahre später trug ich Businesskostümchen, Aktenköfferchen und hohe Hacken – und abends lag ich total erschöpft auf dem Sofa in Jeans und Socken.

Jetzt bin ich nicht mehr jung. Das heißt, biologisch schon, sonst würde ich nicht viermal die Woche in meine hohen Tangoschuhe schlüpfen und auf dem Parkett die Zeit vergessen.

Aber weißt du was? Wenn ich mal gerade nicht tanze, schaue ich mich um. Und da gibt es Erstaunliches zu entdecken:

Zwei Welten

Die ganz jungen Frauen so um die 25, mit ihren Stilettos und supermini Röcken: bleiben meist sitzen. Sprich – sie werden nicht aufgefordert. Daneben sind die eher unscheinbaren Frauen. Manche würden sie als adrett bezeichnen. Und sie tanzen und tanzen… und gehen beseelt nach Hause.

Ich schaue den Paaren auf die Füße. Die jungen Tänzerinnen haben eine atemberaubende Beintechnik – die erfahreneren sind – räusper, lasziv langsam.

Ich schaue auf die Umarmung: ist da eine Verbindung? Überträgt sich die Energie der beiden? Wie begrüßen sie sich? Wie lösen sie die Umarmung wieder auf? Da kann unglaublich viel Genuss dabei sein – oder nur Mittel zum Zweck.

Ich schaue ihnen ins Gesicht. Die Männer konzentriert, die Frauen in ihren Armen kucken ob jemand kuckt und vergleichen sich mit anderen – ODER sie tanzen mit geschlossenen Augen und verzückter Mine.

Ich finde das so spannend und mache mir meine Gedanken. Unerfahrene Frauen entschuldigen sich, wenn sie etwas nicht kapieren und sich „vertanzen“, die gefragten Tänzerinnen lächeln oder machen etwas daraus.

Mit dem Alter kommt die Langsamkeit. Bitte nicht verwechseln mit Schwerfälligkeit. Mich hat das damals schon so beeindruckt, als ich die berühmtesten Bauchtänzerinnen beobachtete. Sie waren in ihren 60igern. Und hatten eine Lässigkeit und einen Blick, unnachahmlich. Das kannst du nicht üben. Da kannst du nur hineinwachsen.

Lässigkeit heißt nicht Nachlässigkeit

Lässigkeit bedeutet eben nicht, uns einfach gehen zu lassen. Das Alter aus Ausrede zu benutzen. Ein Mantra einschleichen lassen à la: „Mir schaut ja doch keiner mehr nach!“ oder sich auszuruhen: „Ich brauche das nicht, ich hab einen Mann…“ In diesem Zusammenhang höre ich immer wieder: „Wozu Dessous – die sieht doch eh niemand“. Oder was ich auch beobachte: mit zunehmendem Interesse an Spiritualität nimmt das Interesse an der äußeren Erscheinung ab.

Das ist eine Sache von Haltung, Respekt und Wertschätzung – Uns selbst gegenüber. In erster Linie.

Eine gewisse Haltung! Körperlich und mental. Eine Haltung, die deine Lebenserfahrung, Kompetenz und Liebe ausstrahlt.

Ohne Lässigkeit verhungerst du

Ich glaube, Lässigkeit hat sehr viel mit Loslassen zu tun. Zum Beispiel den Wunsch nach dem ewigen perfekt sein wollen. Dahin kommen wir nach vielen Jahren, in denen wir es anderen recht machen wollten. Um gelobt zu werden. Um ein Lächeln zu ernten. Bis wir irgendwann resigniert erkennen, dass das Lächeln denen geschenkt wird, die sich nicht abmühen. Und bis wir endlich kapieren, dass wir uns ein Lächeln selbst schenken müssen und dürfen, weil – ja weil wir sonst – emotional – verhungern.

Lässigkeit heißt zulassen

Es ist so einfach und doch so schwer. Zulassen was ist. Dich – so wie du bist zulassen. Meinetwegen auch zuzumuten. Auf jeden Fall nicht zurückhalten.

Wir haben unglaublich viel Zeit vertrödelt mit Schauen, wie die anderen es machen. Damit haben wir unsere Achse, unser Gleichgewicht verloren. Immer wieder. Ha – auf hohen Schuhen kommt das gar nicht gut. Unser Körper spiegelt das auf wunderbare, ehrliche Weise wider.

Lässigkeit heißt, dir selbst die Erlaubnis zu geben

Überlege bei einem gemütliche Cappuccino, was du dir so alles versagst. Was du gerne in Angriff nehmen würdest, das aber von einem „ja – mach nur“ deines Partners, deiner Kinder, Chef & Co. abhängig machst.
Ist es die Reise nach Indien, der Yogakurs, das High Heel-Training, das Wochenende mit deinen Freundinnen, eine Fortbildung…?

Und was ist mit den kleinen Dingen? Einmal nicht Kochen sondern Picknick im Rosengarten. Gemütlich die Füße hochlegen und ein spannendes Buch lesen statt zu putzen. Raus an die Sonne statt drinnen die Zeit absitzen.

Es ist immer wieder spannend zu beobachten: Wenn du dir selbst die Erlaubnis gibst, kommt sie auch von außen.

Übrigens: im Bestseller: „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ habe ich genau darüber gelesen.

Ab einem gewissen Alter stehen wir über vielen Dingen

  • …und haben es nicht mehr nötig alles husch, husch zu erledigen, nur um Zeit für etwas anderes zu haben, das wir dann ebenso effektiv und razzfazz erledigen.
  • Wir sind genussfähiger. Wir haben erkannt: Billig kommt zu teuer. Deshalb leisten wir uns Qualität.
  • Wir brauchen nicht mehr dies und das. Und das ewige „ich bin nicht gut genug“ wird immer häufiger abgelöst gegen ein: „Ich bin es mir wert“.
  • Wir sind es satt, immer vernünftig zu sein und werfen ausgediente Schablonen, wie: „eine anständige Frau tut so was nicht“ auf den Müll.
  • Wir tragen High Heels – oder nicht. Punkt. Und geben uns selbst die Erlaubnis für das eine oder das andere. Ersatzweise gönnen wir uns ein Paar Ohrringe. Gehen zur Maniküre oder gönnen uns Dessous – nur für uns selbst.
  • Wir geben uns selbst tief drinnen die Erlaubnis, uns weiblich und kraftvoll auszudrücken.

 

Wir gehen magischen Zeiten entgegen

Die Kunst dabei ist es, sich dieses Prozesses bewusst zu werden und ihn für die Bereicherung des eigenen Lebens zu nutzen, anstatt sich von falschen Gesellschaftsbildern und konstruierten Modetrends frustrieren zu lassen.

 

Lässigkeit lässt der inneren Schönheit Raum – absichtslos zu SEIN

 

Alles Liebe für dich. Für unsere weibliche Kraft ist der Sommer ganz besonders wichtig – und eine gute Gelegenheit, dich in Lässigkeit zu üben.

Birgit

… und jetzt freue ich mich auf deinen Kommentar

 

10 Kommentare zu “Lässigkeit

  1. Liebe Birgit,
    Du hast recht, mit der Lässigkeit kommt die Ausstrahlung. Aber es ist gar nicht so leicht lässig zu werden, die Folgen des Alterns zu ignorieren oder einfach zuzulassen. Oft sind wir so sehr verstrickt in den Mustern jugendlich sein zu müssen. Auch Lässigkeit muß man lernen. Mir, mit meinen 62 Jahren, gelingt es noch nicht immer, aber ich bin auf einem guten Weg.
    Karin

    • Birgit

      Liebe Karin,
      Lässig können wir nicht „werden“, wir können uns hinein entspannen, wie in ein wohlduftendes Bad. Dazu streifst du nach und nach die alten Kleider ab, die des Vergleichens, des „so-sein-müssens“ und „nicht-gut-genug-seins“. Ein letzter Blick in den Spiegel, da steht sie schon, die gewandelte Frau in dir. Streue dir Rosenblätter in die Wanne, erlaube dir zu seufzen – aus tiefstem Herzen. Das ist dein guter Weg – und glaube mir, Frauen in den Wechsel-Wandeljahren gelingt das ziemlich gut.
      Alles Liebe
      Birgit

  2. Liebe Birgit,
    was Du unter „Lässigkeit“ so schön beschreibst, ist für mich eine sehr erstrebenswerte Variante von „Gelassenheit“. Vielen Dank für die bereichernden Impulse! Ich bin eine „Mittelalte“ (52), entdecke immer mehr mein eigenes (relativ langsames) Tempo und tanze Tango übrigens auch mit geschlossenen Augen …
    Liebe Grüße
    Sandra

    • Birgit

      Liebe Sandra,
      Gelassenheit können wir das auch nennen, das klingt dann aber weniger süffig und süß und sinnlich 😉
      Kommt halt auf den Kontext an.
      Grüße von der „Mittelälteren“
      Birgit

    • Birgit

      Liebe Frau im Glück;-)
      das finde ich doch auch. Denn es ist schon schade, wenn wir vor lauter Erfolgsstreben die Leichtigkeit verlieren. Lässigkeit ist Leichtigkeit, gepaart mit geerdet sein. Und es hat etwas von wohlwollend drüber stehen. Lässigkeit ist Zen für Frauen…
      Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar
      Birgit

  3. Liebe Birgit,

    ein toller Artikel von Dir zum Jahresabschluss, danke!! Den Beitrag von Chris Stehlik habe ihn nur angelesen, denn: den gönne ich mir heute abend bei Rotwein und Pralinen! Ich mag ein Buch empfehlen, es passt so gut. Es heisst „Schön, wild und weise – Frauen auf dem Weg zu sich selbst und in die Welt“, geschrieben von Anna Gamma, einer Zen-Meisterin. Ich bin darauf gekommen, weil ich ein Interview mit ihr gelesen habe, und sie mir dabei sehr gut gefallen hat.
    Alles Liebe, Brigitte

    • Birgit

      Liebe Brigitte,
      Schön, wild und weise – Das klingt wirklich verlockend. Klingt so, wie wir tief in uns drinnen alle sind. Das Buch schaue ich mir mal an. Vielen Dank für deinen Tipp.
      Alles Liebe und viel Freude beim Lesen und Genießen des Artikels von Chris Stehlik.
      Birgit

  4. Liebe Birgit, dieser Beitrag ist einfach umwerfend gut, positiv, Mut machend. Ich werde ihn mir bestimmt öfter durchlesen und nehme ihn mit ins neue Jahr. Vielen lieben Dank dafür . . . schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr ~
    Claudia Gabriele

    • Birgit

      Liebe Claudia Gabriele,
      gestern war ich im Kino und habe mir James Bond angesehen. Eigentlich interessierte mich Monica Belluci. Mit 51 Jahren und Bond-„Girl“. Ich finde ihre Ausstrahlung atemberaubend schön. Etwas davon steckt in jeder Frau und es braucht einen Mann dazu, das heraus zu locken. Yin und Yang. Es gilt aber auch, dieses gewisse Extra zu kultivieren, es mit Neugierde, Vorfreude und innerer Weisheit zu spüren, zu empfangen und zu verströmen. Jenseits vom Gefühl des Mangels und der Bedürftigkeit. Mmmh.
      Alles Liebe auch dir Claudia Gabriele. Mit deinen Massagen hilfst du Frauen dabei, genau diese Anteile zu nähren. Ich finde es großartig, was du da bietest.

      Birgit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.