Offener Brief

Offener Brief an Schuhhersteller

 

Offener Brief an die Schuhhersteller

Wir wünschen uns schöne Schuhe bei Fußproblemen

 

Liebe Schuhhersteller,

ich möchte Sie heute auf eine Marktlücke hinweisen und gleichzeitig im Namen von etwa 8 Millionen Frauen eine Bitte äußern.

Jährlich werden in Deutschland ca. 70 000 Hallux valgus-Operationen durchgeführt – vorwiegend sind Frauen betroffen. Unzählige Frauen leiden zusätzlich unter Morton Neurom und anderen Vorfußbeschwerden. Nicht zu vergessen all die Betroffenen, die nach einem Bruch unsicher auf den Beinen stehen. Beinahe alle verbindet ein Problem: Sie finden keine Schuhe. Lesen Sie dazu auch Weil kein Schuh mehr passt. 

Ich frag mich schon lange, wieso eigentlich die Frauen so unbequeme Schuhe auf sich nehmen?

Dazu kommen all die Frauen, die verschieden große oder breite Füße haben oder mit einer Schuhgrößer über 41 gesegnet sind. Fragen Sie nur Ihre Fachverkäufer/Innen. Nachdem Frauen seit einigen Jahren Bikini-Oberteil und Höschen separat kaufen können – ist es dann vermessen, solch einen Wunsch auch für Schuhe auszusprechen? Wenn die meisten Menschen zwei verschieden lange oder breite Füße haben, sollen sie sich irgendwie arrangieren?

Rein theoretisch müsste ich jedes Mal 2 Paar Schuhe in verschiedenen Weiten kaufen, weil ich links eine andere Weite als rechts habe und ein Paar in den Müll werfen…

Ich spreche hier von Schuhen, in denen sich eine Frau nicht schämen muss. Schuhe, die zu einem eleganten Kleid passen. Zum Business-Outfit. Schuhe, die nicht schmerzen. Schuhe, in denen frau sich bewegen kann – also keine „Sitzschuhe“ oder „unterm-Tisch-hervorkuck-Schuhe“. Schuhe, in denen sich eine Frau nicht verbiegen muss, sondern einen kraftvollen Auftritt hinlegen kann. Und da sehr viele Betroffene Schuheinlagen tragen, wäre es zu begrüßen, wenn die Innensohle nicht fest verklebt, sondern austauschbar wäre.

Wenn ich auf der Straße beobachte, wie Frauen in ihren Schuhen gehen, kann ich nur den Kopf schütteln. Die opfern sich regelrecht der Vorgabe, die ein Schuh ihnen macht. Selbstliebe beim Schuhkauf? Fehlanzeige. Und so werden massenhaft Schuhe produziert, die keinem Fuß gerecht werden.

Wir wünschen uns Schuhe, die vorne nicht spitz zulaufen, die am Vorfuß – gerne aber auch an der Ferse (für die Frauen mit Fersensporn) leicht gepolstert sind. Schuhe, die Halt geben und Platz für die Zehen lassen. Schuhe, bei denen keine Naht drückt. Vor allem aber schöne Schuhe. Ansprechende Farben. Gute Qualität. Ausgefallenes Design. Modische Prints. Ja, durchaus auch sexy. Wir sind anspruchsvoll. Wir sind Frauen.

Jedoch kann ich immer noch sehr wenig Schuhwerk tragen. Ich war noch nie der „Öko-/Alternativ-Typ. Ich kleide mich eher urban.

Wir sind Frauen, die etwas auf die Beine gestellt und etwas zu sagen haben. Warum sollten wir nicht auch schuhtechnisch eine modische Aussage machen? Unterstützen Sie uns dabei. Wir werden es Ihnen danken.

Denn wir sind kaufkräftig. Und wir sind kaufwillig. Und wir wollen nicht mehr an den Auslagen Ihrer Schuhgeschäfte stehen, seufzen und weitergehen. Wir wollen Ihre Kundinnen sein. Zufriedene und glückliche Kundinnen.

Mit freundlichen Füßen

 

 

 

 

13 Kommentare zu “Offener Brief

  1. Bjoern

    Liebe Birgit,

    darf man hier auch als Mann? Ich versuch das einfach mal 😉

    Du sprichst hier ein Thema an, das nicht nur für Frauen relevant ist.

    Vielen von uns wurden schon in früher Jugend die Füsse durch unpassendes Schuhwerk ruiniert, bei mir war das beispielsweise aus Kostengründen und aus mangelndem Gesundheitsbewusstsein meiner Eltern der Fall.

    Heutzutage wäre durchaus die Kaufkraft für ordentliche und gesunde Fussbekleidung vorhanden, die trotzdem bestehenden Probleme hast Du ja treffend geschildert.

    Leider gibt es einige Hürden, den Mißstand in den Griff zu bekommen. Früher war es doch so: Wer es sich leisten konnte, der liess sich die Schuhe beim Schuster seines Vertrauens anfertigen, am besten noch von Leisten die individuell für ihn gemacht waren. Ein guter Handwerker war (und ist) in der Lage, der „Persönlichkeit“ beider Füsse gerecht zu werden. Auch heutzutage wäre das manchen möglich – dann müsste man halt entscheiden, ob man sein Kapital für den Schriftzug „Gucci“ oder für das Prädikat „gesund“ einsetzt.

    Dummerweise haben viele nicht die finanziellen Mittel für die vorgenannte Lösung.
    Alternative wäre, die bisherige Methode der Fertigung vieler unterschiedlicher Schuhmodelle durch Anbieten nur weniger Modelle, diese dafür in vielen Varianten, zu ersetzen. Das wäre machbar, wünschenswert, gesund. Die Technik dazu wäre reif, sogar eine automatisierte Anfertigung nach individuellen Maßen und Merkmalen (die auch für den Normalkonsumenten bezahlbar ist), läge im Bereich des Möglichen.

    Erleben werden wir es trotzdem nicht, Grund: Zu viele beteiligte „Bullshit-Jobber“. Ein Bullshit-Job ist ein Job, bei dem derjenige, der ihn macht, sogar selbst heimlich denkt, dass dieser Job nicht existieren sollte. Er denkt also, dass es nicht bloß keinen Unterschied machen würde, wenn es seinen Job oder die gesamte damit verbundene Industrie nicht mehr geben würde, sondern dass es der Welt dann wahrscheinlich sogar ein bisschen besser ginge.

    Wer braucht all die Modedesigner, Werbefuzzies, Models, Fotografen, Marketingpersonal sowie Journalisten, Modeblogger und Influencer, die am Produkt Schuh mitverdienen und es so nicht nur verteuern, sondern den Produktionsprozess auch noch so beeinflussen, dass eine Obsoleszenz möglichst jeden Frühling, Sommer Herbst und Winter eintritt?

    Das Ganze ist in mehrfacher Hinsicht Irrsinn. Hat man nach langer Suche mal ein Paar Schuhe gefunden, die leidlich passen, mit denen man zufrieden ist und in denen man gut gehen kann und sich wohl fühlt – man kann sicher sein, ein Nachkauf ist schon nach einem Jahr nicht mehr möglich. Denn da gibt es ja die neuen Modelle der Saison, in den passenden neuen Modefarben. Ob ich die Zeit zur Findung eines passenden neuen Schuhs nicht (jedesmal wieder) aufwenden will, ob mir die „neuen“ Farben gefallen bzw. ob sie zu mir passen, das Alles ist der Schuhindustrie komplett egal, Hauptsache das Karussell dreht eine neue Runde.

    So kann man nur hoffen, dass ein Label mal die Kurve kriegt und beginnt nach den oben von Dir vorgeschlagenen Kriterien zu fertigen. Mich als Kunde hätten die schon mal sicher!

    Beste Grüsse,
    Bjoern

    PS: Noch eine Anmerkung zu einem anderen Kommentar

    Christiane Kilian schrieb: „Es wird echt Zeit, dass sich die Modedesigns an den Bedürfnissen der Frauen ausrichtet und nicht an dem, was Männern gefällt!“

    Netter Versuch, das Problem auf „Männer“ abzuwälzen 🙂
    Als Mann kann ich das, was mir so als Mode präsentiert wird oft nur lächerlich finden. Ich habe auch bisher keine Männer kennengelernt, die Modezeitschriften kaufen bzw. konsumieren, um dann Frauen zum Kauf der abgebildeten Modelle zu nötigen.

    Das Bedürfnis, sich durch immer schrillere, gerne auch ungesunde (wobei wir wieder beim Thema Schuhwerk wären), schnell wechselnde Moden zu präsentieren, entspringt weniger der Tatsache, dass der männliche Teil der Menschheit die holde Weiblichkeit dazu animiert. Erfolgversprechender wäre da wohl, die Suche beim geschlechtsspezifisch weiblichen Konkurrenzdruck zu beginnen.

    • Birgit

      Danke Bjoern, dass du dich hier mit einbringst. Natürlich gilt das auch für Männer, obwohl ich der Meinung bin, dass Frauen eher die Leidtragenden sind. Ein „schöner“ Frauenschuh hat meist einen hohen Absatz, gerne gepaart mit vorne spitz zulaufender Form und nur ein wenig Firlefanz, das dem Fuß nur leidlich Halt bietet. Bequemschuhe hingegen erinnern mich an meine Jugend, in der ich mich schon gefragt habe, warum die meisten Autos grau oder beige, Telefone grau oder beige, Kühlschränke weiß oder beige sein müssen… Bequemschuhe sind schwarz, weiß, braun oder beige. Himmel, muss das sein? Natürlich gibt und gab es Ausreißer: als ich etwas älter war, sah ich Autos dann in Flaschengrün, leuchtend Orange oder in Zitronengelb, auch an ein grünes Telefon erinnere ich mich. Die Farbwahl bei Bequemschuhen finde ich bis heute eher gewollt als gekonnt.
      Was für ein Lichtblick, wenn man/frau dann doch ein ansehnliches UND passendes Modell findet. Und wenn wir bei nächster Gelegenheit erwartungsfroh wieder in Kauflaune sind, stellen wir fest, dass es sich um Eintagsfliegen handelte.
      Wie kreativ Schuhdesigner sein können, sehen wir, wenn wir einen Blick in das Virtuelle Schuhmuseum https://www.virtualshoemuseum.com/schuhrakel werfen – darin haben wir mit unserem SCHUHRAKEL übrigens einen Platz bekommen 🙂 Auch wenn die meisten Schuhe darin nicht tragbar sind, zeigt die Ausstellung doch eines: ES IST MÖGLICH, Schuhe zu kreieren, die nicht nur die Schuhindustrie, sondern auch die Träger/innen glücklich machen. Und es ist sogar möglich, dies umweltverträglich und nachhaltig zu tun. Yes – we can!
      Lieben Fußgruß – Birgit

  2. Liebe Birgit,

    ich finde wir sollten eine Bürgerinitiative gründen. Ich wär dabei.

    Schuhe, die wirklich fürs Gehen gemacht sind, findet man selten, wenn sie dabei auch noch gut aussehen sollen, ist die Verzweiflung groß.

    Zudem sind so manche, sogenannte Bequemschuhe oft zu breit. Hier ist Vorsicht geboten! Zu breite Schuhe können genauso Fußschmerzen auslösen, wie zu enge.

    Liebe Grüße aus Regensburg

    Andrea C. Blank

    • Birgit

      Liebe Andrea,
      vielen Dank für deinen wichtigen Hinweis. Zu breit und zu groß scheint nur im ersten Moment bequem zu sein, denn wenn die Füße in den Schuhen „schwimmen“ und keinen Halt finden, krallen die Zehen, das Sprunggelenk wird überfordert und das Gangbild lässt zu wünschen übrig…
      Eine „Änderung“ entsteht, indem wir uns überhaupt erst einmal bewusst werden über einen unhaltbaren Zustand, der uns bisher als normal erschien. Wenn wir anfangen darüber zu sprechen, unsere selektive Wahrnehmung angekurbelt wird und wir beim nächsten Kauf wählerischer werden. Irgendwann wird der Ball aufgegriffen – vielleicht von der Presse, von einflussreichen Frauen wie du es bist. Lassen wir uns überraschen. Den Ball haben wir angestoßen…
      Alles Liebe und bewegte Grüße – Birgit

  3. Du könntest auch noch erwähnen, dass in den letzten Jahren die Schuhgrößen immer kleiner geworden sind. Also Größe 40 entspricht inzwischen eher Größe 39 oder weniger. Das habe ich selbst herausfinden müssen und es wurde mir auch von 2 Schuhfachverkäuferinnen unabhängig voneinander bestätigt.

    Hast du den Brief hoffentlich wirklich verschickt?
    LG
    Sabienes

  4. Andrea

    Liebe Birgit, ich selber bin vor 2 Jahren aus zig Gründen auf Barfuß – und Minimalschuhe umgestiegen und verstehe deine Zeilen nur zu gut.

    Hübsch sind die meisten dieser Schuhe nicht, nur zweckmäßig und auch irre teuer.
    Gesunde schöne Schuhe mit Freiraum für die Füße/ Zehen gibt es immer noch zu wenig.

    Selber komme ich mit konventionellen Schuhen nicht mehr klar und verweigere dies nun gänzlich.

    Liebe Grüße Andrea

    • Birgit

      Liebe Andrea,
      danke für diesen Hinweis. Ich finde Barfußschuhe in der warmen Jahreszeit durchaus eine Option, zumal es mittlerweile durchaus ansprechende Modelle gibt. Für den Winter, bei Nässe und wenn es mal eleganter sein darf, sind sie für mich keine Option. Auch den Preis finde ich stolz.
      Liebe Grüße – Birgit

  5. Liebe Birgit, Du hast ja sooo recht. Müssen bequeme Schuhe denn wirklich plump oder alternativ aussehen?
    Es wird echt Zeit, dass sich die Modedesigns an den Bedürfnissen der Frauen ausrichtet und nicht an dem, was Männern gefällt!

    • Birgit

      Liebe Christiane,
      nein plump geht gar nicht. Es gibt so unglaubliche und wundervolle Kreationen – dazu muss man nur mal einen Blick in das Virtuelle Schuhmuseum werfen, um zu sehen, dass es an Kreativität nicht mangelt. Wohl aber am Auftrag.
      Danke für deinen Kommentar. Alles Liebe – Birgit

  6. Doris

    Ganz toll Birgit!
    Ja, das Dilemma ist tatsächlich meistens:
    Meistens vieeeel zu schmal … Oder, wenn bisschen breiter, dann optisch überhaupt nicht ansprechend.
    Man versteht es kaum.
    LG
    Doris

    • Birgit

      Liebe Doris,
      frau kann/darf/sollte dafür auch kein Verständnis aufbringen. Wer wir dies jedoch still erdulden und trotzdem kaufen, senden wir kein Signal, damit sich hier etwas ändert. Noch vor ca. 100 Jahren wurden Schuhe übrigens nicht paarig gefertigt, d.h. ein linker und ein rechter Schuh, die Passform ergab sich erst nach und nach durch das Eintragen. Dass das Modell noch nachgibt, bekam schon so manche Frau mit auf den Weg und bis dies dann nach einer gefühlten Ewigkeit so weit war, ertrug frau die zeit mit Blasen und Schmerzen an den Füßen. Muss das sein???
      Ich danke dir für deinen Kommentar. Liebe Grüße an die Füße – Birgit

  7. Liebe Birgit,
    du schreibst mir aus der Seele. Ich arbeite schon sehr lange in der Fuß-Orthopädie und sehe die Frauen (und auch Männer) mit ihren Problemfüßen. Sie finden oft nur sehr schwer Schuhe und kaufen notgedrungen etwas, das nicht passt.
    Danke für deinen offenen Brief. Ich wünsche, dass er ganz viele Schuhhersteller erreicht und sich dadurch inspiriert fühlen, andere Schuhe zu kreieren.

    • Birgit

      Liebe Heike,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Tatsächlich erreichen mich immer wieder Nachrichten von Frauen, die sich nicht mehr zu helfen wissen. Sie beklagen, dass sie vor der Wahl stehen, Bequemschuhe zu kaufen, in denen sie sich alles andere als weiblich fühlen oder Schmerzen zu ertragen in zwar schönem aber unergonomischem Schuhwerk.
      Liebe Grüße – Birgit

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