Warum muss das immer mir passieren?

Warum muss das immer mir passieren?

Warum muss das immer mir passieren?

 

Jetzt hat es mich auch erwischt: Bänderzerrung

 

… zumindest kann ich jetzt mitreden. Ich bin umgeknickt. Ganz doof. Eine Unebenheit im Boden nicht realisiert. Eigentlich hätte ich es wissen müssen: Sofort kühlen, hochlegen und Ruhe geben. Tja, weil wir aber gerade „auf dem Sprung“ zu einer kleinen Wanderung waren, bin ich mal eben noch ein paar Kilometer gelaufen… Die ersten Meter humpelnd und dann ohne Probleme.

Die kamen erst abends. Gemütlich beim Gläschen Wein. Wollte nur mal eben in die Küche und: dann ging nichts mehr. Ohne Vorwarnung. Ich konnte nicht mehr auftreten und hätte etwas für Krücken gegeben. Irgendwie hab ich es noch ins Bad und ins Bett geschafft. Puh – so ein weiter Weg!

Für den Fall, dass du mal umknickst und dein Fuß geschwollen ist. Lass das ärztlich abklären. Kühle sofort – vermeide jedoch Eis direkt auf der Haut! Schone deinen Fuß und lagere ihn hoch. Deine Ärztin wird dir evtl. eine Orthese verschreiben. Das ist eine spezielle Schiene, die dein Sprunggelenk stützt. Gut gegen die Schwellungen sind Lymphdrainagen. Frage, ob du Beinwellsalben verwenden darfst. Infos auch hier.

Passieren dir in schöner Regelmäßigkeit immer wieder Missgeschicke? Verstauchst du dir zum Beispiel deinen Fuß? Und vor allem: Wie gehst du damit um?

 

Das eigentlich Faszinierende an dieser Begebenheit war nicht mein kleines Malheur an sich. Spannend war, zu beobachten, wer alles mitreden und sich einmischen wollte. Dabei meine ich nicht den Arzt oder die Personen, die gerade in der Nähe sind.

Wenn wir Stimmen hören, ist das ganz normal 😉

Wie auf Kommando hörte ich ein wildes Durcheinander. Stimmen wie: „Das hätte jetzt aber nicht sein müssen“. Etwas leiser ein Quengeln: „Aua, aua“. Dann ein harsches „Reiß dich zusammen“ und als Antwort ein: „Na hör mal!“

Also, trotz der Schmerzen fand ich das Szenario höchst amüsant. Und so aufschlussreich, dass ich dir davon mehr erzählen will.

 

Dein inneres Kind. Oder: Alice im Wunderland löst ihre Fußprobleme

Du kennst bestimmt Alice im Wunderland. Nicht? Dann wird’s Zeit. Das Buch ist Gold wert. Also Alice wird bei einem ihrer zahllosen Abenteuern mit einem Fußproblem der anderen Art konfrontiert: Ihre Beine werden lang und länger, bis sie sie fast nicht mehr sieht. Sie lacht darüber und erstaunt ruft sie aus: „Jetzt werde ich auseinandergeschoben, wie das längste Teleskop, das es je gab. Lebet wohl – Füße!“

Alice steht hier für etwas in uns, das meist zu kurz kommt:

  • Unser gesundes inneres Kind: Selbstbewusst, neugierig, verspielt, kreativ… Du kannst die Liste fortsetzten. Erkennst du dich darin wieder? Zumindest in einigen Bereichen deines Lebens? Spür mal nach und zwinkere ihm zu.

…Und Alice dachte sich aus, »wie drollig es sein wird, seinen eignen Füßen ein Geschenk zu schicken! und wie komisch die Adresse aussehen wird! –«Denn als sie auf ihre Füße hinabsah, konnte sie sie kaum mehr zu Gesicht bekommen, so weit fort waren sie schon.

 

Wie du siehst, birgt unser gesundes innere Kind ein hohes Maß an Kreativität. Nur schade, dass die tägliche Routine meist wenig Platz dafür lässt. Schenkst du deiner kleine Alice genügend Aufmerksamkeit? Oder hast du keine Zeit für solche Kindereien?

  • Dann nämlich geht der Vorhang auf für das verletzte innere Kind. Das kleine Mädchen in uns, das weinerlich ist, unsicher, ängstlich und klammernd. Kommt dir das bekannter vor. Lies nicht gleich weiter sondern winke ihm kurz zu.

Dem verletzten inneren Kind richten wir nur zu gerne eine Spielwiese ein. Irgendwo. Möglichst weit weg. Mit einer hohen und schalldichten Mauer drum herum. Sicht- und Hörschutz quasi. Aber Kinder können nicht nur leise quengeln. Wenn es darum geht, sich Gehör zu verschaffen, werden sie ziemlich – sorry – nervig. Und das ist gut so!

Wenn du dich jetzt fragst, was das mit dem inneren Kind soll. Hier eine Erklärung:

Im Alter von ca. 2 – 6 Jahren hast du ungefiltert Informationen aufgesaugt, die dich für dein gesamtes Leben prägen. Meist haben wir von diesen unbewussten Programmierungen nicht die geringste Ahnung. Was du in diesen Jahren erfahren hast, ist der Grundstein dafür, wie du mit Herausforderungen umgehst. In Stresssituationen reagiert häufig nämlich nicht die erwachsene Frau in dir sondern das kleine Kind.

Diese „eingebrannten“ Muster lassen dich emotional immer in einer bestimmten Weise reagieren. Bis du dir Zeit nimmst und genauer hinsiehst und beginnst festgefahrene Wege zu verlassen und neue zu erkunden.

So lange dein verletztes inneres Kind noch das Kommando hat, hörst du deshalb immer mal wieder:

 

Warum. Muss. Das. Immer. Mir. Passieren?

Das ist eine Rhetorische Frage. Und im Deutschunterricht, 10. Klasse haben wir gelernt: Rhetorische Fragen dienen nicht dem Informationsgewinn, sondern sind sprachliche Mittel der Beeinflussung.

Nur: Wer will da wen beeinflussen? Und warum mit solcher Vehemenz?

Nehmen wir die Bändergeschichte als Beispiel: Immer wieder „schnackelst“ du um. Auf Hochdeutsch: umknicken ;-). Mal eine leichte Bänderdehnung links. Dann eine Bänderzerrung rechts. Vielleicht auch mal ein Bänderriss. Alles, was es gerade im Angebot gibt. Da darf es doch mal erlaubt sein, ein wenig zu jammern. „Warum immer ich. Und überhaupt. Die Welt ist so ungerecht“.

Das ist die Instanz in uns, die jammert. Wehklagt und „beeinflussen“ – also gehört werden – will.

Interessant ist: Wer hört zu?

Auch du – aber ein anderer Anteil von dir und zwar dein Eltern-Ich.

 

Das Eltern-Ich

  • Das kann fürsorglich sein: „Das kühlen wir mal und dann sehen wir weiter…“
  • Oder leider häufig kritisch: „Ich hab’s dir ja gleich gesagt. Warum ziehst du auch immer dieeeeese Schuhe an! Aber nein, auf mich hört ja keiner“…

 

 

Es liegt mir fern, dich zu verwirren. Aber du bist immer noch nicht vollständig… Du kennst jetzt schon dein „gesundes“ und „verletztes“ inneres Kind. Daneben das „fürsorgliche“ und das „kritische“ Eltern-Ich.

Je bewusster du wirst, umso mehr Raum bleibt für dein

 

Erwachsenen-Ich

Eine gute Talk-Show braucht einen Moderator. So ist das auch mit deinen inneren Anteilen. Dein Erwachsenen-Ich übernimmt diese Funktion. Und es ist in der Lage: „Ich bin OK“ zu sagen. „Ich bin, wie ich bin“ und das ist gut so.

 

Wäre das nicht schön, wenn dein Erwachsenen-Ich (ich bin OK) mit deiner kleinen Alice und deinem fürsorglichen Eltern-Ich eine nette Beziehung haben könnten? Dumm ist nur, dass die drei in dir voneinander meist gar nichts wissen. Deshalb diese kleine Vorstellungsrunde.

Und was machen wir mit den ungeliebten Teilen? Dem nörgelnden inneren Kind und dem besserwisserischen Eltern-Ich? Nicht mitspielen lassen?

Lass dir sagen: Das ist eine ganz, ganz schlechte Idee. Was passiert, wenn jemand nicht mitspielen darf? Genau!

Da hilft nur: Niederknien. Auf Augenhöhe mit dem kleinen panischen Kind Kontakt aufnehmen. Es in den Arm nehmen und fragen: „Wovor hast du Angst?“ „Es einlädst in deine Welt und ihm zeigst: dass du deine Ziele freiwillig verfolgst. Wie viel Spaß und Lebensfreude du mit Erfolgserlebnissen hast und es keinen Grund für Angst und Panik gibt.

Und dem erhobenen Zeigefinger des Eltern-Ichs nimmst du den Schwung, wenn du klar machst, dass du jetzt erwachsen bist und gut selbst auf dich aufpassen kannst. Dir bewusst machst, was du schon alles alleine gemeistert hast. Und auch wenn mal etwas nicht klappt. Dass du auch mit einer Verletzung ziemlich souverän umgehen kannst.

 

 

Vom zerstrittenen Haufen zum inneren Team

Wie du siehst, findet ein Miteinander und Gegeneinander nicht nur zwischen uns Menschen statt, sondern in jedem von uns. Abgelehnte oder zerstrittene Anteile können uns ziemlich ausbremsen. Keine Angst, das ist zwar lästig und manchmal auch quälend aber ganz normal. (Wenn wir ein unbewusstes Leben als normal bezeichnen…)

Je bewusster und aufmerksamer du für deine inneren Anteile bist, sie quasi ins Boot holst, umso unbeschwerter lebst du. Zapfst kreative Quellen in dir an. Bedenkst Dinge, denen du sonst keine Aufmerksamkeit schenkst… Es lohnt sich, mit „vereinten Kräften“ deine Ziele zu verfolgen.

 

Ich muss mich erst sammeln – Drei von mir hab ich schon

 

Wie du dein inneres Team bildest

  • Lerne auf deinen inneren Dialog zu achten. Sei dir bewusst, wer gerade im Vordergrund ist.
  • Moderiere deine inneren Stimmen: Lass auch andere Anteile zu Wort kommen. Ja – das geht.
  • Dann mach aus einem zerstrittenen Haufen in dir ein inneres Team
  • Jammern mach nur Sinn, wenn du darin Profi bist.  
  • Rhetorische Fragen à la „Warum muss das immer mir passieren“  – sind eine Beleidigung für deinen Verstand. Gute Antworten bekommst du nur auf gute Fragen. Hilfreich ist z.B. „Was war da in mir los, als mir das passiert ist“. „Wovor bewahrt mich dieses andauernde Umknicken?“ (Vielleicht passiert das immer just, wenn XY ansteht…?) Überlege dir weitere Fragen.
  • Frage deine inneren Anteile. Am besten der Reihe nach einzeln – aufrichtig und interessiert. Schreibe mit. Du wirst staunen, was du für Antworten bekommst.

 

Auf den Stöckel gebracht:

Laut Louise Hay stehen unsere Knöchel für die Fähigkeit, Vergnügen zu empfinden. Das passt doch prima! Lass uns also mit Vergnügen unsere inneren Teams bilden. Ich habe mich für diese Erfahrung bedankt und am nächsten Morgen war mit meinem Knöchel alles wieder gut.

Liebe Grüße an dein inneres Team

Birgit

 

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10 Kommentare zu “Warum muss das immer mir passieren?

  1. Claudia Kopp

    Sehr schön zu lesen. Hab oft geschmunzelt :-).
    Kuriere grade mehrere gerissene Bänder aus. Meditieren darüber ich werde, hi hi und natürlich zuhören. Allen die in mir da blitzschnell was dazu zu sagen hatten, und das sind nicht wenige. Hab mich sicher schon eine Weile geschäftlich (Rechter Fuß) mehr zerrissen gefühlt als Freude gehabt. Jetzt reagiere ich eben und agiere dann bewusster wenn ich durch bin. Herzlichen Dank das dein Beitrag mir zugefallen ist. Liebe Grüße Claudia

    • Birgit

      Liebe Claudia, es ist erfrischend, dich beim Schmunzeln zu beobachten 🙂 Es bringt uns schließlich nur Falten, wenn wir ein Gesicht ziehen und nicht wahrhaben wollen, was sich in uns drinnen für Szenen abspielen.
      Ich wünsche dir noch viele Erkenntnisse und Freude dabei.
      Alles Liebe – Birgit

  2. Gisela Schellbach

    Liebe Birgit,durch die Zeitschrift Donna bin ich auf Dich gestossen,sicherlich kein Zufall,hatte mir vor3 Jahren im Gebirge den Knöchel gebrochen,Folge Fehlbelastung des anderen Fusses.Knöchel für die Fähigkeit,Vergnügen zu empfinden,nach Luise Hay,das hat mich getroffen,es waren5 schwere Jahre,soviele mir nahestehende Menschen sind gegangen…Danke für die Denkanstösse,komme selbst aus dem Pharm Bereich und habe in 45 Berufsjahren erfahren,dass nicht nur die Medikamente und der Operateur helfen.Liebe Grüsse Gisela

    • Birgit

      Liebe Gisela, der wichtigste Mensch bist du für dich selber. Nur, wenn wir uns selbst nahestehen, können wir auch für andere da sein. Manchmal „verschwinden“ wir hinter der Idee, für andere zu sorgen, sei es in der Familie oder in der Arbeit, ohne an sich selbst zu denken. Das ist eine „Fehlbelastung“ und das Vergnügen kommt auch zu kurz. Danke, dass du das mit uns teilst.
      Alles Liebe
      Birgit

  3. Du arme! Erst mal gute Besserung!
    Ich habe nicht oft Bänderzerrungen, dafür bleibe ich oft mit dem kleinen Zeh irgendwo hängen. Und das ist nicht soooo doll 😉
    LG
    Sabienes

    • Birgit

      Liebe Sabienes,
      das ist nett von dir. Aber weißt du, irgendwie kommt mir das vor, als ob mir das Universum so ziemlich alle Fußprobleme „zum Testen“ schickt. Wenn ich das merke, mache ich damit tiefe Erfahrungen, weiß, wovon Betroffene sprechen; kann quasi mitreden… Mittlerweile bin ich so weit, dass ich nach der Testphase alles dankbar wieder zurück schicke. Dann ist es wieder gut.
      Alles Liebe – Birgit

  4. Maria

    „Nicht werten“ sagen die Buddhisten 😉
    – ein kluger Satz,
    dann geht es einfach nur darum richtig zu handeln
    im Hier und Jetzt

    Umknicken, Nachdenken, Handeln
    in diesem Fall nach der Pech-Regel

    P = Pause
    E = Eis (Kühlen)
    C = Compression (Druck-Verband)
    H = Hochlagern

    WohlSein und ein schönes Wochenende

    • Birgit

      Maria, du bist ein Schatz. Du schenkst uns die Pech-Regel. Vor allem im Zusammenhang mit „Nicht werten“.
      Ich wünsche dir WohlStand und einen sonnigen Tag
      Birgit

    • Birgit

      Danke, liebe Claudia Gabriele. Das freut mich. Spirituelle Nahrung hört sich gut an. Das erinnert mich an „Verkörpern“ und „Einverleiben“. Ich kann zwar nicht Stricken aber zu einem Schal reicht es. Im Winter stricke ich manchmal Schals für meine Jungs. Das geht so: Buch auf dem Schoß – lesen, bis ein kluger Gedanke kommt – und den verstricke ich dann.
      Liebe Grüße
      Birgit

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